Während der Bitcoin-Kurs seit Wochen zwischen 63.000 und 65.000 Dollar feststeckt, kommen aus drei Richtungen gleichzeitig schlechte Nachrichten für die Anlegerstimmung.
Ein Wallet-Exploit hat Coins im Wert von über 150 Millionen Dollar erbeutet, der größte Unternehmenshalter der Welt verkauft munter weiter, und Miner ziehen Kapital ab, um in KI-Rechenzentren zu investieren. Kein Wunder, dass selbst gute Inflationsdaten den Kurs zuletzt nicht bewegen konnten.
Der Coldcard-Exploit zieht sich hin
Seit dem 30. Juli nutzen Angreifer eine Schwachstelle in der Seed-Generierung von Coldcard-Hardware-Wallets aus. Ein Firmware-Update aus dem Jahr 2021 hatte die Schlüsselerzeugung von einem Hardware-Zufallschip auf eine Software-Lösung umgestellt und dabei die Schlüsselstärke drastisch geschwächt. Angreifer konnten Seeds allein aus Seriennummer und Systemzeit rekonstruieren — ganz ohne Phishing oder physischen Zugriff.
Die auf den Fall spezialisierte Research-Abteilung von Galaxy beziffert den bestätigten Schaden mittlerweile auf mehr als 1.778 Bitcoin, umgerechnet gut 112 Millionen Dollar. Ein noch unbestätigtes viertes Angriffscluster könnte die Gesamtsumme auf über 151 Millionen Dollar treiben.
Der Großteil der gestohlenen Coins liegt bislang unbewegt in den Wallets der Angreifer, ein kleinerer Teil floss bereits über Coinjoin-Transaktionen in Richtung Verschleierung. Die Episode hat nach Einschätzung von Marktbeobachtern bereits rund 15 Milliarden Dollar an Bitcoin-Beständen zu sichereren Verwahrlösungen bewegt.
Strategy verkauft weiter, verspricht aber Rückkehr
Parallel dazu bleibt Strategy in den Schlagzeilen. Zwischen dem 3. und 9. August verkaufte das Unternehmen weitere 1.690 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 64.262 Dollar — bei einem eigenen Einstandspreis von 75.385 Dollar realisiert jeder dieser Verkäufe einen Buchverlust. Es ist bereits die vierte Verkaufsrunde seit Mai, ein Bruch mit der bislang gepflegten Nie-verkaufen-Haltung des Unternehmens.
CEO Phong Le betonte in einem Interview, die Käufe sollten noch in diesem Jahr wieder aufgenommen werden, ohne dabei Umfang oder Zeitpunkt zu nennen. Zur Einordnung verwies er auf die Jahresbilanz: rund 175.000 gekaufte gegen etwa 7.000 verkaufte Bitcoin.
Der Gesamtbestand lag zuletzt bei 840.447 BTC. Die Analysten bei TipRanks bleiben trotz gesenkter Kursziele mehrheitlich optimistisch — von 13 Häusern empfehlen zwölf die Aktie zum Kauf, das mittlere Kursziel liegt bei 257,75 Dollar.
Miner steigen auf KI um
Ein dritter Faktor kommt von der Angebotsseite. Hyperscale Data hat den Großteil seiner Bitcoin-Bestände verkauft — etwa 685 BTC für rund 43 Millionen Dollar — um den Ausbau eines Rechenzentrums in Michigan zu finanzieren und Schulden abzubauen. Übrig bleiben dem Unternehmen noch 275 Bitcoin.
Ähnliche Schritte hatten zuvor bereits Bitdeer und MARA vollzogen, die ihre Bestände zugunsten von KI-Infrastruktur reduzierten. Der Trend zeigt: Ein Teil der einstigen Bitcoin-Treasury-Strategie der Miner weicht zunehmend der Aussicht auf höhere Bewertungen im KI-Geschäft.
Unterdessen verzeichneten US-Spot-ETFs zuletzt Nettoabflüsse von über 130 Millionen Dollar, nachdem zuvor sieben Tage in Folge frisches Geld geflossen war. Der Kurs bewegte sich zeitweise unter 63.000 Dollar und damit rund die Hälfte unter dem Rekordhoch von 126.198 Dollar vom Oktober 2025.
Für die kommenden Wochen bleibt die entscheidende Marke der Tagesschluss über 64.500 Dollar — erst darüber würde sich charttechnisch Spielraum in Richtung 65.300 und 66.800 Dollar öffnen. Bis Galaxy Research die vierte Angriffswelle beim Coldcard-Exploit endgültig bestätigt oder verwirft, bleibt zudem offen, ob sich der Gesamtschaden noch einmal spürbar erhöht.
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