Bitcoin & Co.: Was, wenn der Iran-Krieg enden sollte?

Ein Ende des Iran-Konflikts könnte die Ölpreise und damit die Inflation senken, was zu fallenden Zinsen und einer Erholung spekulativer Assets wie Bitcoin führen würde.

Auf einen Blick:
  • Kriegsende würde Ölpreise stark sinken lassen
  • Zinserhöhungen wären dann nicht mehr nötig
  • Fallende Zinsen begünstigen Aktien und Kryptowährungen
  • EZB könnte mit Zinspolitik Wirtschaftscrash provozieren

Seit Israel und die USA den Krieg im Iran begonnen haben, hat sich die Situation an den Märkten völlig verändert. Sah es zuvor noch nach bis zu drei Zinssenkungen in den USA bis Jahresende aus, hat man an den US-Anleihemärkten inzwischen sogar schon eine erste Zinserhöhung (um 25 Basispunkte) eingepreist. Abzulesen ist das recht einfach an der Rendite der kurzlaufenden, zweijährigen, US-Staatsanleihe.

Zuvor waren sich, abzulesen am CME FedWatch-Tool, die Anleger noch uneinig darüber, ob es bis Jahresende zu zwei US-Leitzinssenkungen (um jeweils 25 Basispunkte) oder doch drei kommen wird. Obwohl die US-Notenbank selbst nur eine solche signalisierte. Aber vermutlich hatte auch das „Smart Money“ an den US-Anleihemärkten bemerkt, dass die offiziell gemeldeten US-Arbeitsmarktdaten (vom BLS) nicht richtig sein dürften.

Ergo hatte man auch hier schon eine deutliche Verschlechterung auf dem US-Arbeitsmarkt angenommen und eingepreist. Da die US-Notenbank offiziell den Auftrag hat, die US-Inflation unter Kontrolle zu halten, aber gleichzeitig möglichst für Vollbeschäftigung zu sorgen und dies zu möglichst niedrigen Zinsen, ging man von mehr Zinssenkungen aus. Meines Erachtens waren dies also logische Entwicklungen.

Der Iran-Krieg hat alles verändert, aber…

Dann sind die USA, an der Seite Israels, in den Krieg gegen den Iran gezogen. Dadurch explodierten die Ölpreise und halten sich bis heute auf einem relativ hohen Niveau. Schnell steigende Ölpreise sind aber in mehrerlei Hinsicht Gift. Denn da Öl in vielen chemischen Produkten („Kunststoffen“, zum Beispiel bestehen die ganzen Joghurtbecher aus Kunststoff) vorkommt, werden diese natürlich teurer in der Herstellung.

Aber natürlich wird Öl auch zur Energiegewinnung eingesetzt, wenngleich dies heutzutage etwas weniger wichtig geworden sein mag. Zu guter Letzt aber braucht es Öl zur Herstellung von Kraftstoffen, sei es Benzin, Diesel oder auch Kerosin. Somit verteuert ein solch starker Ölpreisanstieg nicht nur das Autofahren selbst, sondern frisst sich über die Logistik (Transportketten) in nahezu jedes Produkt, natürlich auch in alle Lebensmittel.

Letztlich sorgt ein solch starker (nachhaltiger) Ölpreisanstieg für höhere Lebenshaltungskosten (egal ob bei Lebensmitteln oder eben an der Tankstelle) und damit eine anziehende Inflationsrate. Zugleich drückt er auf die Stimmung (egal ob in der Wirtschaft direkt oder eben den Verbrauchern), die ja für die wirtschaftliche Entwicklung ebenfalls nicht unwichtig ist. Mit anderen Worten: Stark steigende respektive hohe Ölpreise sind letztlich Gift für die Weltwirtschaft!

Dies gilt selbst dann, wenn man berücksichtigt, dass es – wo es Verlierer gibt – natürlich immer auch Gewinner geben muss – und auch gibt! Diese Gewinner sind natürlich ölproduzierende, ölexportierende Staaten, zu denen inzwischen ja selbst die USA wieder gehören. Allerdings ist die Ölindustrie in den USA heute zu unbedeutend, als dass die Gewinne dort die Verluste an anderen Stellen auch nur ausgleichen, geschweige denn überkompensieren, könnten.

Die Anleihemärkte, auch aber natürlich nicht nur in den USA, haben auf diese Entwicklungen reagiert. Zieht die Inflation an, müssen die Notenbanken irgendwann ihre Leitzinsen erhöhen, um sie wieder einzufangen, so deren Kalkül. Ein einerseits verständliches Kalkül, dass ich aber trotzdem für völlig falsch halte. Denn die Ölpreisexplosion basiert ja nicht auf einem weltwirtschaftlichen Boom und damit einer explosiven Nachfrage (Nachfrageüberhang).

Sondern eben auf einem, zumindest kurzfristigen, Angebotsschock. Schließlich ist die „Straße von Hormus“ durch den Iran-Krieg nahezu geschlossen und durch diese wurden bis vor kurzem noch rund 20% des weltweit produzierten Öls (mit entsprechenden Öltankern) transportiert, besonders übrigens nach China und den asiatischen Raum. Was da Zinserhöhungen bringen sollen, erschließt sich mir nicht wirklich, sondern entzieht sich eher meiner Kenntnis.

Mit anderen Worten: Zinserhöhungen würden eine, durch die aktuellen Entwicklungen ohnehin schon eher geschwächte Wirtschaft, noch weiter schwächen. Es mag sein, dass dadurch die Inflation etwas eingefangen (gedämpft) werden kann. Aber zu welchem Preis? Man stürzt die Wirtschaft in eine noch tiefere Krise (Rezession), „nur“ um das Problem der (zu hohen) Inflation anzugehen?!

Sorry, aber das wirkt auf mich wie ein Suizid aus Angst vor dem Tod!

Wie man es auch dreht und wendet… die Zinsen werden wohl bald kollabieren!

Spielen wir aber alle Szenarien, die es nun gibt, mal durch!

Das wohl beste Szenario wäre, dass der Iran-Krieg bald endet. Egal, ob das Regime dort (dessen Treiben man viel zu lange zugeschaut hat!) überlebt oder nicht. Dann würden die Ölpreise kurzfristig stark nachgeben. Zinserhöhungen wären definitiv nicht mehr notwendig. Die bereits eingepreiste Leitzinserhöhung in den USA könnte und würde wieder ausgepreist werden. Vermutlich würde es wieder die Erwartung von einer oder sogar mehreren Zinssenkungen geben.

Das schlechteste Szenario wäre, dass der Iran-Krieg nicht so schnell endet, sondern sich länger hinzieht. Dann würden die Ölpreise wohl nicht nur hoch bleiben, sondern noch weiter steigen. Mit den entsprechenden Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die ohnehin bereits (zu) hohe Inflation bliebe (zu) hoch oder stiege noch weiter. Die wirtschaftliche Entwicklung würde dennoch ausgebremst.

Erhöhen die Notenbanken dann auch noch, um die (zu) hohe Inflation einzufangen, ihre Leitzinsen, stürzt die Wirtschaft komplett ins Chaos. Die Inflation bleibt zwar unter Kontrolle und beginnt bald sich zu stabilisieren oder gar zu sinken. Ein wirklich gutes Signal wäre das aber eher nicht. Denn dies würde wohl zum Preis einer, mehr oder weniger bewusst herbeigeführten, Rezession erfolgen.

Keine Notenbank der Welt aber hat das Mandat die (eigene) Volkswirtschaft in eine Rezession zu stürzen. Im Gegenteil. Doch wie kommt man aus der, letzten Endes zu großen Teilen selbst verschuldeten, Lage nun wieder heraus? Naja, in dem man die Wirtschaft nun geldpolitisch maximal unterstützt. Da die US-Notenbank bisher den Einsatz von Negativzinsen ausgeschlossen hat, würde es Nullzinsen sowie Quantitative Easing (QE) bedeuten (müssen).

Natürlich gibt es auch noch Szenarien dazwischen. Aber in beiden Extremszenarien kommt es letzten Endes, früher oder später, zu (stärker) sinkenden Zinsen. Somit sollte dies auch in allen Szenarien dazwischen am Ende der Fall sein.

Fazit: Entweder es kommt noch zum „Crash“ oder…

Die Frage, die sich jetzt stellt: Provozieren die Notenbanken – besonders die Europäische Zentralbank (EZB) scheint auf diesem Trip zu sein – durch Leitzinserhöhungen noch einen wirtschaftlichen „Crash“, der auch zu einem (zumindest kleinen) „Crash“ an den Finanzmärkten führt. Oder ersparen Sie uns das? Sollte es dazu kommen, wäre es jedoch wohl DIE Kaufgelegenheit für die nächsten Jahre. Sowohl bei (Technologie-)Aktien als auch bei den Kryptos, angeführt vom Bitcoin (BTC).

Denn so wie steigende oder längere Zeit hohe Zinsen Gift für die Wirtschaft (wenngleich eben manchmal notwendig, um eine Überhitzung zu vermeiden) und die (Finanz)Märkte sind, sind sinkende oder längere Zeit niedrige Zinsen sehr gut für die Wirtschaft und die (Finanz)Märkte. Kurzfristig sieht es, „dank“ des Iran-Kriegs, noch kritisch aus. Man sollte daher jetzt nicht den Helden spielen und hoch gehebelt long einsteigen.

Auf längere Sicht aber haben sich die Aussichten zuletzt womöglich wirtschaftlich deutlich verschlechtert. Die Aussichten für die (Finanz)Märkte aber sind alles andere als schlecht. Das gilt, besonders, für spekulative Assets. Egal, ob und wann der Iran-Krieg endet, die Anleger werden sich am Ende freuen können. Sofern sie mutig genug sind die Angebote, die es an den (Finanz)Märkten gibt, anzunehmen. Mutig, aber nicht übermütig!

In diesem Sinne wünsche allen Leserinnen und Lesern, die weiterhin mutig (genug, aber nicht übermütig) sind, viel Erfolg!

Ihr

Sascha Huber

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