Während die Aktienmärkte zuletzt auf neue Rekordhochs kletterten, taten sich die Kryptos weiterhin schwer. Zwar stieg auch der Bitcoin (BTC), als die „Mutter aller Kryptowährungen“, kurzfristig mal auf über 80.000,00 US-Dollar. An der exponentiell gleitenden Durchschnittslinie der vergangenen 200 Tage, kurz: dem EMA200, war aber Schluss. Seitdem gab allein der Bitcoin schon wieder um etwas mehr als -10% nach.
Ganz zu schweigen von den, weiterhin, am Boden liegenden Altcoins, angeführt von Ethereum (ETH). So kämpft der Ether inzwischen mit der „runden“ Marke von 2.000,00 US-Dollar, nachdem er noch Mitte April auf knapp unter 2.500,00 US-Dollar geklettert war. Die Kursentwicklungen an den Krypto-Märkten zuletzt, das gebe ich frank und frei zu, ist sehr frustrierend. Aber…
Aktienmärkte werden in erster Linie von Chip-Aktien angetrieben…
Das große Aber ist, dass es an den Aktienmärkten längst nicht so gut aussieht, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Ja, es gibt den KI/AI-Trade. Dieser beflügelte zuletzt insbesondere die Aktien sämtlicher Chipkonzerne. Selbst die Aktie von Qualcomm, die vielen anderen Chip-Aktien lange Zeit hinterherhinkte, sprang zuletzt deutlich an. Die Party, die im Branchen-Index Philadelphia Semiconductor Index (kurz: SOX) zuletzt gefeiert wurde und immer noch wird, ist extrem.
Dadurch stieg natürlich auch die Gewichtung der Chip-Aktien innerhalb der großen Indizes. So machen Chip-Aktien inzwischen etwa ein Fünftel des S&P 500 aus. Die Hausse nährt hier die Hausse. Aber außerhalb des Chipsektors ist von dieser Party dann weniger zu sehen. Ganz im Gegenteil. Viele Software(-as-a-Service)-Aktien (SaaS) sind abgestürzt. So haben sich selbst einst solide Titel – wie Adobe, Intuit oder die deutsche SAP – von ihren Höchstkursen aus betrachtet, halbiert.
Das „KI/AI-Verlierer-Narrativ“
Grund für diese katastrophale Kursentwicklung im Software-Sektor war natürlich das sogenannte „KI/AI-Verlierer-Narrativ“. Kam es mit dem Aufstieg von KI/AI durch den Erfolg von ChatGPT (von OpenAI) zunächst zu einer breiten Kursrally im Technologie-Sektor, bekamen Anleger plötzlich Angst. Was, wenn KIs/Ais wie ChatGPT von OpenAI oder Claude von Anthropic Programme/Apps (Software) überflüssig machen würden?
Wenn mir ChatGPT oder Claude meine Steuererklärung machen… warum brauche ich dann noch die Software von Intuit? Selbst, wenn noch manche Nutzer ihre Steuererklärung gerne selbst machen wollen, so sinkt die Nachfrage nach der Intuit-Software und damit deren Preis (nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, dass jedoch die Sozialisten leider niemals verstehen werden). Ergo geraten zumindest die Margen von Intuit unter Druck. Womit das Unternehmen weniger wert wäre, so dass der Kurs fallen muss.
Grundsätzlich durchaus nicht falsch. Aber eben auch nicht ganz zu Ende gedacht. Denn wenn die KI/AI mir meine Steuererklärung machen soll, muss ich ihr auch alle Daten dafür zur Verfügung stellen. Möchte das wirklich jeder? Viele Privatnutzer vermutlich schon nicht. Erst recht aber keine Unternehmen. Denn was, wenn – beispielsweise durch einen Fehler – solch hochsensible Daten in die Hände der Konkurrenz fallen sollten?!
Zudem kann man sich, Stand heute (und es gab erst kürzlich eine Studie dazu), nicht blind auf die KI/AI verlassen. Bevor die Steuererklärung daher beim Finanzamt eingereicht werden kann, sollte man nochmal drüber schauen und alles kontrollieren. Denn hat die KI/AI halluziniert, zahlt man sonst womöglich Steuern auf Einnahmen/Gewinne, die man gar nicht erzielt hat.
Oder sie vergisst etwas, was im Zweifel kritisch werden kann (man kann dazu ja mal Uli Hoeneß befragen). Am Ende haftet nämlich sicherlich nicht die KI/AI für einen solchen Fehler! Wenn aber der Steuerpflichtige am Ende nochmal alles kontrollieren muss, dürfte es in vielen Fällen einfacher sein, wenn er seine Steuererklärung doch selbst macht. Mit der Hilfe der Software von Intuit, die um entsprechende KI/AI-Tools, die ihm das Ganze vereinfachen, angereichert wird. Womit Intuit am Ende durchaus ein KI/AI-Gewinner sein kann.
Doch es gibt Hoffnung, denn Snowflake hat das Narrativ widerlegt!
Kürzlich sprang die Aktie von Snowflake, nach Vorlage von Quartalszahlen, um rund +40% nach oben. Aus dem Stand. Und ja, die vom Unternehmen vorgelegten Quartalszahlen waren sehr gut. So lag der Quartalsumsatz mit 1,39 Milliarden US-Dollar ebenso deutlich über den Konsensschätzungen der Analysten von „nur“ 1,32 Milliarden US-Dollar wie der Gewinn je Aktie (mit 0,39 US-Dollar vs. erwarteter 0,32 US-Dollar). Aber dafür +40%?
Naja, die Aktie war zuvor – wegen des KI/AI-Verlierer-Narrativs – auch entsprechend verprügelt worden. Wurden Ende Oktober/Anfang November letzten Jahres noch mehr als 280,00 US-Dollar für die Aktie bezahlt, waren es zuletzt kurzzeitig weniger als 120,00 US-Dollar. Dann aber kamen diese Quartalszahlen und das Management betonte, dass man stark von KI/AI profitiert habe. Somit wurde das Narrativ widerlegt und die Aktie explodierte. Denn sie war ja zuvor offensichtlich fehlgepreist worden.
Aber warum gibt das Hoffnung für die Kryptos?
Nun, zuletzt haben ja viele Bitcoin und Co. genauer unter die Lupe genommen. Dabei kamen sie beispielsweise zu dem Schluss, dass sich Bitcoin und Gold zuletzt völlig unterschiedlich entwickelt hätten, so dass das Narrativ von Bitcoin als „digitales Gold“ nicht haltbar sei. Zudem wurde gerne darauf verwiesen, dass sich der Bitcoin zuletzt eher parallel zu den Software-Aktien (SaaS) entwickelt habe. Was ja auch durchaus nicht falsch ist.
Wenn dem aber so ist… dann bedeuten steigende Software-Aktien, dass auch der Bitcoin bald wieder steigen könnte. Die fundamentalen sowie charttechnischen Voraussetzungen dafür sind, schon länger, gegeben. Die Stimmung („Sentiment“) ist auch entsprechend schlecht, da ja bei den Kryptos in den letzten Wochen und Monaten nur wenig ging. Dies könnte sich also, wie auch bei den Software-Aktien, nun langsam ändern.
Es war immer mein Credo, dass ein Krypto-Bullrun von Bitcoin und Ethereum angeführt werden muss. Dann kommt die erste Reihe der Altcoins und später auch die zweite, dritte und vierte Reihe. Dabei bleibe ich – und die Voraussetzungen, dass es nun bald endlich klappt, sind gut. Sicher kann man sich natürlich nie sein. Aber während das Sentiment am Boden liegt, die meisten Anleger also nicht mal mehr Hoffnung haben, sieht es unter der Oberfläche anders aus, nämlich gar nicht so schlecht!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Erfolg sowie, dass unsere lange Leidenszeit bald mit exorbitanten Kursgewinnen belohnt wird. Es wäre nicht das erste Mal…
Ihr
Sascha Huber
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