Mehr Anleger sitzen bei Bitcoin gerade auf Verlusten als auf Gewinnen. Das gab es in diesem Zyklus noch nie. Historisch markiert genau dieser Moment oft den Boden einer Baisse.
Der Jahresstart 2026 verlief für Bitcoin katastrophal. Am 1. Juli fiel die Kryptowährung auf rund 57.800 US-Dollar, den tiefsten Stand seit über 21 Monaten. Aktuell notiert Bitcoin bei 61.364 US-Dollar, das Tief vom 1. Juli liegt nur knapp sechs Prozent darunter. Zum Jahreshoch von 126.080 US-Dollar aus dem Oktober 2025 fehlt dagegen mehr als die Hälfte.
ETFs verlieren massiv an Kapital
Der Auslöser für den Absturz liegt bei den US-Spot-ETFs. Allein im Juni flossen 4,5 Milliarden Dollar aus den Fonds ab, der stärkste Monatsabfluss seit dem Start dieser Produkte im Januar 2024. Seit dem 7. Mai summieren sich die Abflüsse auf fast 8,95 Milliarden Dollar.
Am 1. Juli zogen Anleger weitere 296 Millionen Dollar ab, umgerechnet rund 5.050 BTC. BlackRocks IBIT verlor dabei 219 Millionen Dollar, Grayscales GBTC knapp 63 Millionen. Fidelitys FBTC und ARKs ARKB kamen auf Abflüsse von 51 beziehungsweise knapp 40 Millionen Dollar.
Nicht alle Anbieter verloren Kapital. Grayscale Mini BTC verzeichnete Zuflüsse von 36,33 Millionen Dollar, Morgan Stanleys MSBT kam auf 29,81 Millionen. Diese Gegenbewegung bleibt aber die Ausnahme im sonst tiefroten Bild.
On-Chain-Daten deuten auf Kapitulationsphase
Parallel zu den ETF-Abflüssen zeigen On-Chain-Daten ein ungewöhnliches Bild. Laut Glassnode halten aktuell 10,50 Millionen BTC ihre Coins mit Verlust, mehr als im Gewinn liegen. Das ist im laufenden Zyklus erstmals der Fall.
Solche Überkreuzungen fielen in der Vergangenheit häufig mit größeren Zyklustiefs zusammen. Ein Report von CryptoQuant liefert ein weiteres Warnsignal: Am 30. Juni sprang der Bitcoin-Zufluss zu Börsen auf etwa 49.000 BTC. Die durchschnittliche Einzahlungsgröße verdoppelte sich von 1 BTC auf 2 BTC, ein Hinweis darauf, dass institutionelle Anleger und große Halter ihre Bestände neu positionieren. Solche Muster gehen häufig erhöhter Volatilität voraus.
Trotz der angespannten Lage zeigte Bitcoin zuletzt eine leichte Erholung. Am 3. Juli handelte die Kryptowährung nach einem Tagesplus von 2,4 Prozent bei rund 61.600 Dollar. Auf Wochensicht steht sogar ein Plus von 2,77 Prozent zu Buche, auf Monatssicht bleibt mit minus 7,93 Prozent aber ein deutliches Minus.
Fed-Politik belastet Stimmung
Der Fear & Greed Index fiel am 1. Juli auf 11 Punkte, ein neues Zyklustief und tief im Bereich „Extreme Angst“. Hauptgrund dafür ist die restriktive Haltung der US-Notenbank. Der Markt rechnet mit rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen bei ihrer Sitzung am 28. und 29. Juli unverändert lässt. Sollte sich überhaupt etwas bewegen, dann eher in Richtung einer Anhebung als einer Senkung, das bietet risikoreichen Anlagen wie Bitcoin kaum Entlastung.
Das zweite Quartal 2026 schloss Bitcoin mit einem Minus von 14,20 Prozent ab, der stärkste Quartalsrückgang seit Juni 2022. Auf Jahressicht steht sogar ein Verlust von 30,84 Prozent zu Buche. Citi reagierte darauf mit einer deutlichen Korrektur: Die Bank senkte ihr Zwölf-Monats-Kursziel für Bitcoin von 112.000 auf 82.000 Dollar und verwies dabei auf die negativen ETF-Flüsse sowie schwindendes Anlegervertrauen.
Der RSI von 43,2 signalisiert weder Überverkauft- noch Überkauft-Zustand, Bitcoin bewegt sich technisch in neutralem Terrain. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 67.732 Dollar, gut neun Prozent über dem aktuellen Kurs, der 200-Tage-Durchschnitt sogar 18 Prozent darüber. Im Blick der Marktteilnehmer stehen nun die kommenden US-Arbeitsmarktdaten. Sie dürften mit darüber entscheiden, wie die Fed am 28. und 29. Juli über die Zinsen entscheidet und welchen Weg Bitcoin im dritten Quartal einschlägt.
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