Kurz vor dem Wochenende notiert Bitcoin bei rund 59.700 US-Dollar — und damit knapp über dem 52-Wochen-Tief vom Vortag. Der RSI liegt bei 30,5, was technisch auf überverkaufte Bedingungen hindeutet. Der eigentliche Treiber dieser Woche war jedoch kein Protokollereignis, sondern ein massiver Derivate-Verfall.
Milliarden-Verfall drückt auf den Markt
Am 26. Juni liefen Bitcoin-Optionen im Wert von rund 10 bis 10,6 Milliarden US-Dollar aus. Das war einer der größten quartalsweisen Derivate-Verfälle des Jahres 2026. Rund 80 Prozent des auslaufenden Open Interest lag aus dem Geld — bullische Call-Positionen verloren kurz vor Ablauf ihren Wert.
Das hat Konsequenzen für die Liquidität. Wenn große Optionsblöcke verfallen, bauen Market Maker ihre Absicherungen ab. Trader schichten in neue Laufzeiten um. Dieser Prozess erzeugt kurzfristig Druck auf den Spotpreis — besonders wenn Bitcoin gleichzeitig nahe einer psychologisch wichtigen Marke wie 60.000 Dollar handelt.
Max Pain weit entfernt
Viel diskutiert wurde das sogenannte Max-Pain-Niveau — der Kurs, bei dem die meisten Optionen wertlos verfallen. Es lag zwischen 70.000 und 74.000 Dollar. Bitcoin handelte zuletzt mehr als 15 Prozent darunter.
Das zeigt vor allem eines: Die Lücke zwischen früherer bullischer Positionierung und der aktuellen Marktlage ist groß. Kein Wunder, dass die Put-Nachfrage rund um den Verfall zuletzt zunahm. Trader suchten Absicherung, keine Spekulation auf steigende Kurse.
Mining-Netzwerk passt sich an
Parallel zum Derivate-Geschehen justierte das Bitcoin-Netzwerk seine Mining-Schwierigkeit. Sie fiel um 10,09 Prozent auf 124,93 Billionen — der zweitgrößte negative Anpassungsschritt in 2026. Grund: Der Preisrückgang der vergangenen Wochen drückte die Margen vieler Miner. Weniger profitable Maschinen gingen offline, die Hashrate sank.
Die nächste Anpassung war für den 27. Juni erwartet — mit einem prognostizierten Anstieg von rund 4,8 Prozent. Das Netzwerk funktioniert, es reagiert schlicht auf veränderte wirtschaftliche Bedingungen.
Was nach dem Verfall zählt
Der Quartalsverfall ist abgeschlossen. Ein großer Überhang fällt damit weg. Entscheidend ist nun, wie sich das Open Interest in den kommenden Tagen neu aufbaut — ob Put-Nachfrage erhöht bleibt oder ob Käufer zurückkehren. Bitcoin hat seit Jahresbeginn rund 33 Prozent verloren und notiert mehr als 21 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Der Markt braucht keine neuen Optionen, die verfallen — er braucht neue Käufer.
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