Zwischen tiefgreifenden Einschnitten in der Fertigung und fortlaufenden juristischen Auseinandersetzungen ordnet BioNTech seine Strukturen neu. Während das Mainzer Unternehmen seine Produktionskapazitäten in Deutschland schrittweise zurückbaut, bleibt die Klärung von Schutzrechten im internationalen Geschäft eine offene Flanke.
Schrittweiser Rückzug an drei deutschen Standorten
Nachdem die Suche nach Käufern ohne Erfolg geblieben war, beschloss BioNTech die schrittweise Schließung von drei heimischen Standorten. Betroffen von der Maßnahme sind die Werke in Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein.
Der Rückzug soll gestaffelt erfolgen. Für Tübingen ist das Betriebsende zum Jahresende 2027 vorgesehen, während Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein zum Ende des Jahres 2028 folgen sollen.
Von der Restrukturierung sind bis zu 1.860 Beschäftigte betroffen. BioNTech verständigte sich mit dem Betriebsrat auf sozialverträgliche Lösungen sowie zusätzliche Abfindungsregelungen. Medienberichten zufolge verspricht sich das Unternehmen von der Stilllegung der Werke jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro.
Der Einschnitt markiert eine deutliche Bereinigung der während der Pandemie aufgebauten Strukturen. Das Unternehmen reagiert damit auf die veränderte Nachfragesituation und versucht, die laufenden Betriebsausgaben an das veränderte Marktumfeld anzupassen.
Fortdauernde Patentklage in den USA
Parallel zur Bereinigung der Fertigungslandschaft bindet die juristische Aufarbeitung von Technologien weiterhin Aufmerksamkeit. Am 28. September wies das US-Bezirksgericht für den Distrikt Delaware einen Antrag von Pfizer und BioNTech ab, eine Patentverletzungsklage von Bayer abzuweisen. Streitpunkt ist der Einsatz von mRNA-Technologie in COVID-19-Impfstoffen.
Die gerichtliche Entscheidung bedeutet ausdrücklich keine Feststellung einer tatsächlichen Verletzung von Schutzrechten, lässt die Klage jedoch zur weiteren Verhandlung zu. BioNTech bleibt in den Vereinigten Staaten damit mit einem Verfahren konfrontiert, dessen Ausgang offen ist.
Rechnungslegung und Börsenbewertung
Vor rund zwei Wochen stellte das Unternehmen zudem formale Weichen für die Rechnungslegung. Der Aufsichtsrat stimmte der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als unabhängigen Abschlussprüfer für das zum 31. Dezember 2027 endende Geschäftsjahr zu, vorbehaltlich der formellen Wahl auf der anstehenden Hauptversammlung.
Am Aktienmarkt spiegelt sich die Übergangsphase in einer verhaltenen Bewertung wider. Am Freitag beendete das Papier den Handel bei 86,10 Euro. Damit notiert der Titel 19 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Der Börsenwert beläuft sich auf 21,60 Milliarden Euro.
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