Bei BioNTech zählt für mich derzeit weniger die Zahl der Studienmeldungen als die Belastbarkeit ihrer Aussagen. Die am Sonntag veröffentlichten Daten zu Pumitamig illustrieren das: Sie liefern ein Wirksamkeitssignal bei metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, aber noch keinen Vergleich mit einer anderen Behandlung.
Der rote Faden für Anleger ist deshalb die Frage, wie weit ein klinisches Ergebnis tatsächlich trägt. Eine Ansprechrate und ein belegter zusätzlicher Nutzen sind nicht dasselbe.
Ein Signal braucht seinen Maßstab
BioNTech und Bristol Myers Squibb berichteten für die Phase-2-Studie ROSETTA Lung-107 über Pumitamig in Kombination mit Docetaxel. Unter 30 hinsichtlich der Wirksamkeit auswertbaren Patienten lag die bestätigte objektive Ansprechrate bei 36,7 Prozent.
Das ist ein konkretes Ergebnis, keine bloße Entwicklungsabsicht. Entscheidend ist allerdings auch die Bezugsgruppe. Die Ansprechrate beschreibt die auswertbaren Patienten. Sie sollte nicht gedanklich auf sämtliche Behandelten übertragen oder bereits als Beleg für eine Überlegenheit gegenüber anderen Therapien gelesen werden.
Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 6,9 Monate unter 50 behandelten Patienten. Diese Kennzahl beschreibt die Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung. Sie beantwortet damit eine andere Frage als die Ansprechrate und beruht hier auf einer anderen Patientengruppe.
Ich würde beide Ergebnisse daher nebeneinander lesen, nicht zu einem vermeintlich umfassenden Erfolgsbeweis verschmelzen. Für die Bewertung der Aktie ist diese Trennung wichtiger als eine möglichst optimistische Zusammenfassung der Meldung.
Kombinationen sind eine Strategie, kein Ergebnis
Der größere Zusammenhang lässt sich an BioNTechs Kombination verschiedener Wirkstoffe erkennen. Vor gut einer Woche vereinbarte das Unternehmen mit Gilead Sciences, Pumitamig gemeinsam mit Sacituzumab Govitecan, bekannt als Trodelvy, zu untersuchen. Geplant ist eine globale Phase-3-Studie zur Erstlinienbehandlung bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem triple-negativem Brustkrebs mit geringer oder fehlender PD-L1-Expression.
BioNTech soll die Studie ROSETTA Breast-01 als Sponsor führen; Gilead soll Sacituzumab Govitecan bereitstellen. Das konkretisiert die Arbeitsteilung. Einen Wirksamkeitsnachweis für diese Kombination liefert die Vereinbarung nicht.
Wie wichtig diese Unterscheidung ist, zeigt auch DYNASTY-Breast02 von BioNTech und DualityBiologics. Trastuzumab Pamirtecan erreichte gegenüber Chemotherapie den primären Endpunkt beim progressionsfreien Überleben, allerdings mit einer lediglich moderaten Verbesserung. Die Daten zum Gesamtüberleben waren noch unreif.
Hinzu kam eine höhere Rate interstitieller Lungenerkrankungen als in früheren Studien. Bei einem kleinen Anteil der Patienten traten schwere und tödliche Ereignisse auf. Die Unternehmen selbst sahen anhand der verfügbaren Daten nur begrenztes Nutzenpotenzial im bestehenden Behandlungsumfeld.
Für mich folgt daraus kein pauschales Urteil über BioNTechs Krebsprogramme. Wohl aber ein klarer Bewertungsmaßstab: Kombinationen eröffnen Prüfwege, frühe Daten liefern Signale, und vergleichende Ergebnisse müssen Nutzen und Risiken zusammenführen. Wer diese Stufen auseinanderhält, kann Fortschritt anerkennen, ohne ihm mehr Aussagekraft zuzuschreiben, als die jeweilige Studie hergibt.
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