BioNTech Aktie: Prognose auf 1,6–1,9 Milliarden gesenkt

BioNTech verzeichnet im zweiten Quartal einen deutlichen Umsatzrückgang und kappt die Jahresziele. Der angekündigte Führungswechsel und die schwache COVID-Nachfrage prägen die Lage.

Auf einen Blick:
  • Umsatz sinkt um 59 Prozent
  • Jahresprognose deutlich gesenkt
  • Guido Oelkers wird neuer Vorstandschef
  • Mehrere Studiendaten im zweiten Halbjahr

BioNTech hat am Dienstag einen Umsatzeinbruch im zweiten Quartal 2026 gemeldet und gleichzeitig die Jahresprognose kräftig zurückgenommen. Nur einen Tag zuvor hatte der Mainzer Biotech-Konzern zudem einen Wechsel an der Unternehmensspitze angekündigt. Die beiden Nachrichten treffen die Aktie in einer ohnehin fragilen Marktphase.

Umsatz bricht ein, Prognose sinkt

Im zweiten Quartal 2026 erzielte BioNTech einen Umsatz von 106 Millionen Euro, nach 261 Millionen Euro im Vorjahresquartal – ein Rückgang von 59,4 Prozent. Die adjustierten Forschungs- und Entwicklungsausgaben sanken um 6,3 Prozent auf 477 Millionen Euro, während die adjustierten Vertriebs- und Verwaltungskosten um 44,5 Prozent auf 198 Millionen Euro zulegten. Unter dem Strich weitete sich der adjustierte operative Verlust auf 690 Millionen Euro aus, nach 463 Millionen Euro im Vorjahr. Der adjustierte Nettoverlust kletterte auf 562 Millionen Euro, der adjustierte Verlust je Aktie lag bei 2,22 Euro nach zuvor 1,45 Euro.

Als Gründe für die schwache Entwicklung nannte das Unternehmen eine schwächer als erwartete globale Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen, den geplanten Rückgriff Deutschlands auf bereits produzierte Impfstoffbestände für die kommende Saison sowie eine verzögerte Meilensteinzahlung aus einer auslizenzierten Forschungskooperation. In der Folge senkte BioNTech seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf eine Spanne von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Die Spanne für die adjustierten Forschungs- und Entwicklungsausgaben wurde auf 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro angepasst, während das Unternehmen an der bisherigen Spanne für die adjustierten Vertriebs- und Verwaltungskosten von 700 bis 800 Millionen Euro festhält.

Trotz der gekürzten Prognose stellte BioNTech für das zweite Halbjahr einen deutlichen Umsatzschub in Aussicht – unter anderem gestützt durch eine Kollaborationszahlung von Bristol Myers Squibb in Höhe von 613 Millionen Euro. Die Barmittel-Position bezifferte das Unternehmen zum Quartalsende auf 16,6 Milliarden Euro, was angesichts der laufenden Investitionen in die Onkologie-Pipeline als finanzielles Sicherheitsnetz dient.

Führungswechsel: Oelkers löst Şahin ab

Bereits am Montag hatte der Aufsichtsrat von BioNTech eine personelle Zäsur verkündet: Guido Oelkers wird spätestens zum 1. Februar 2027 als Vorstandsvorsitzender in den Vorstand berufen und übernimmt damit die Nachfolge von Prof. Ugur Şahin. Oelkers war zuletzt Vorstandsvorsitzender des schwedischen Pharmaunternehmens Swedish Orphan Biovitrum, wo er den Umsatz nach Unternehmensangaben binnen neun Jahren – zwischen den Geschäftsjahren 2017 und 2026 – mehr als vervierfacht und die Profitabilität sowie die Spätphasen-Pipeline des Unternehmens deutlich gestärkt haben soll. Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der BioNTech seine Pipeline jenseits des COVID-19-Geschäfts breiter aufstellen will.

Pipeline mit zahlreichen Datenpunkten bis 2030

Operativ verweist BioNTech auf mehr als 17 zulassungsrelevante Studienauswertungen, die bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus erwartet werden. Für das zweite Halbjahr 2026 kündigte das Unternehmen mehrere zentrale Datenablesungen an: die erste Interimsanalyse für Gotistobart beim squamösen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, die Phase-III-Interimsanalyse für BNT113 bei Kopf-Hals-Tumoren sowie die Primäranalyse für TPAM bei Brustkrebs. Zusätzlich soll erstmals klinisches Datenmaterial zur Kombination von Pumetamic mit dem B7H3-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat LVD bei Lungenkrebs präsentiert werden – ein Schritt, der laufende Kombinationsstudien absichern soll.

Parallel zu den operativen Entwicklungen setzte BioNTech im zweiten Quartal sein Aktienrückkaufprogramm fort und erwarb American Depositary Shares im Wert von 151,6 Millionen US-Dollar im Rahmen des insgesamt auf eine Milliarde US-Dollar angelegten Programms.

Analysten reagieren zurückhaltend

Evercore ISI bestätigte am Mittwoch sein „Outperform“-Rating für BioNTech, senkte das Kursziel jedoch von 135 auf 130 US-Dollar – ein Rückgang von 3,70 Prozent. Die Anpassung fällt in eine Phase, in der der Markt die gesenkte Jahresprognose und den anstehenden Führungswechsel gleichzeitig verarbeiten muss.

Aktie zwischen Erholung und Belastung

An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt widerstandsfähig: Am Freitag schloss das Papier bei 80,90 Euro, ein Plus von 2,34 Prozent auf Tagesbasis. Vom 52-Wochen-Hoch bei 105,80 Euro, erreicht im Januar, bleibt der Titel jedoch 23,53 Prozent entfernt. Zum 200-Tage-Durchschnitt notiert die Aktie mit 3,83 Prozent im Rückstand, was auf einen mittelfristig noch angeschlagenen Trend hindeutet. Die kommenden Monate mit den angekündigten Studiendaten und dem schrittweisen Führungsübergang dürften zeigen, ob BioNTech die Stimmung drehen kann.

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