BioNTech Aktie: Patentklagen gegen Lipid-Nanopartikel

Symbolbild, KI-generiert

Neue Patentverfahren gegen BioNTech und Pfizer erhöhen den Druck auf die mRNA-Plattform, während die Aktie zuletzt deutlich zulegte.

Auf einen Blick:
  • Weitere Klagen zur Lipidtechnologie eingereicht
  • Verfahren laufen in mehreren Rechtsräumen
  • BioNTech-Aktie legte 13,4 Prozent zu
  • 16,6 Milliarden Euro liquide Mittel

Wer die BioNTech-Aktie seit Wochen verfolgt, kennt inzwischen das Muster: Prognosesenkung, Studienabbruch, Führungswechsel – die Mainzer liefern selten Ruhe. Doch diesmal kommt der Ärger nicht aus dem eigenen Labor, sondern von außen.

Arbutus Biopharma und Genevant Sciences haben nach Medienberichten weitere Patentklagen gegen Pfizer und BioNTech eingereicht – wegen der Lipid-Nanopartikel-Technologie, die seit Jahren das Rückgrat der mRNA-Impfstoffe bildet. Verhandelt wird in Kanada und vor dem Einheitlichen Patentgericht, im Raum stehen Unterlassungsverfügungen gegen die Covid-19-Impfstoffe und finanzielle Forderungen.

Das ist mehr als eine juristische Randnotiz. Die Lipid-Nanopartikel sind jene winzigen Fetthüllen, die das mRNA-Molekül schützen und in die Zelle schleusen – ohne sie funktioniert die gesamte Plattformtechnologie nicht, weder bei Impfstoffen noch bei den onkologischen Kandidaten, auf die BioNTech seine Zukunft baut. Wenn Arbutus und Genevant mit ihren Ansprüchen durchdringen, geht es nicht um eine einzelne Produktlinie, sondern um das technologische Fundament.

Ein Strukturproblem der ganzen Branche

Genau darin liegt der größere Trend, den dieser Fall sichtbar macht: Die mRNA-Revolution der vergangenen Jahre wurde auf einem dichten Geflecht aus Patenten verschiedenster Rechteinhaber errichtet, das während der Pandemie-Eile nie vollständig geklärt wurde. Jetzt, da der Umsatzdruck steigt und die Konzerne ihre Pipelines zunehmend auf Krebstherapien verlagern, holen die offenen Rechtsfragen sie ein.

Für BioNTech, das im laufenden Jahr ohnehin seine Umsatzprognose von ursprünglich 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro auf inzwischen 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro senken musste, ist das ein weiterer Unsicherheitsfaktor, der sich nicht kurzfristig ausräumen lässt – Patentverfahren vor mehreren Jurisdiktionen ziehen sich erfahrungsgemäß über Jahre.

Bemerkenswert ist der Kontrast zur Kursreaktion der vergangenen Wochen. Die Prognosesenkung liegt inzwischen rund einen Monat zurück, seither hat die Aktie um 13,4 Prozent zugelegt. Auch die Ernennung von Guido Oelkers zum künftigen Vorstandsvorsitzenden, der spätestens zum 1. Februar 2027 antreten soll, wurde mit einem Kurssprung von 11,9 Prozent quittiert.

Der Markt scheint also eher auf den angekündigten Neuanfang zu schauen als auf die juristischen Altlasten aus der Pandemiezeit. Am Freitag schloss die Aktie bei 89,55 Euro, ein Plus von 1,2 Prozent, und liegt damit rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro aus dem Januar.

Zwischen Kriegskasse und Rechtsrisiko

Finanziell ist BioNTech für einen langwierigen Rechtsstreit vergleichsweise gut gerüstet. Zum Ende des zweiten Quartals verfügte das Unternehmen über liquide Mittel und Wertpapiere von 16,6 Milliarden Euro – ein Polster, das selbst empfindliche Vergleichszahlungen verkraften könnte, ohne die operative Substanz zu gefährden.

Gleichzeitig läuft das Aktienrückkaufprogramm weiter: Von der bis zu einer Milliarde Dollar schweren Ermächtigung wurden bislang 152 Millionen Dollar ausgeschöpft, gut 15 Prozent.

Diese Kapitalstärke relativiert das Risiko, beseitigt es aber nicht. Sollte ein Gericht den Klägern Recht geben und eine Unterlassungsverfügung gegen die Covid-19-Impfstoffe erlassen, träfe das ausgerechnet jenes Geschäft, das BioNTech noch immer als Cashflow-Quelle für die teure Onkologie-Pipeline braucht – während parallel die im Q2 auf 105,6 Millionen Euro eingebrochenen Impfstoffumsätze zeigen, wie sehr dieses Segment ohnehin schon schrumpft.

Für Anleger bleibt die Frage, wie stark ein Patentstreit dieser Größenordnung tatsächlich durchschlägt, kaum seriös zu beantworten – zu früh im Verfahren, zu unterschiedlich die Rechtsräume. Was der Fall aber lehrt: Die mRNA-Branche hat ihre juristischen Hausaufgaben aus der Pandemiezeit noch nicht gemacht, und BioNTech steht dabei, wie schon bei Prognose und Pipeline, wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit.

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