BioNTech-Aktie: Millionen Dosen, aber kein Markt mehr!

BioNTech schließt deutsche Produktion für Corona-Impfstoff. Millionen Dosen lagern ungenutzt, Pandemieverträge sind gefährdet.

Auf einen Blick:
  • 7,6 Millionen Dosen Comirnaty LP.8.1 lagern noch im Bundesvorrat
  • BioNTech schließt deutsche Produktionsstätten, Herstellung geht an Pfizer-Standorte
  • Pandemiebereitschaftsvertrag mit dem Bund könnte gefährdet sein
  • Bundeshaushalt sieht 336 Millionen Euro für Bereitschaftsverträge 2026 vor

Gut drei Jahre nach dem Ende der Corona-Pandemie lagern im zentralen Bundesvorrat noch 7,6 Millionen Dosen des BioNTech-Präparats Comirnaty LP.8.1. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte das auf Anfrage. Weitere Lieferungen erfolgen nicht mehr, die laufenden Verträge sind abgewickelt. Der Bund stellt die Dosen auf Bestellung bereit. Die Nachfrage ist, wenig überraschend, seit langem massiv zurückgegangen.

Schließung trifft mehr als nur Arbeitsplätze

Brisanter als die Lagerzahlen ist, was BioNTech zuletzt ankündigte: Die deutschen Produktionsstätten für den Corona-Impfstoff sollen geschlossen werden. Die Herstellung wandert vollständig zu Pfizer-Standorten in Europa und Amerika. Das ist betriebswirtschaftlich vielleicht nachvollziehbar, politisch aber eine andere Geschichte.

Denn der Bund hat Pandemiebereitschaftsverträge mit drei in Deutschland ansässigen Firmen: BioNTech, IDT Biologika und Wacker/Corden Pharma. Diese Verträge sollen sicherstellen, dass im Fall einer neuen Pandemie ausreichend Produktionskapazitäten auf europäischem Boden abrufbar sind. Wenn BioNTech die Voraussetzungen dafür nicht mehr erfüllen kann, müssen laut Ministerium mögliche Konsequenzen geprüft werden. Was das konkret heißt, ließ man offen.

BioNTech SE Aktie Chart

Grünen-Politikerin Paula Piechotta formulierte es deutlicher. Nachdem andere Hersteller schon aus den Bereitschaftsverträgen ausgestiegen seien, drohe nun der relevanteste verloren zu gehen. Ihr Appell an die Bundesregierung: prüfen, ob man BioNTech über das Einfordern der Pandemiebereitschaftsverträge zwingen kann, Produktionskapazitäten in Deutschland zu erhalten.

Dabei verwies sie auch auf den Haushalt. Für 2026 sind 336 Millionen Euro für die Finanzierung dieser Verträge veranschlagt, für 2027 rund 175 Millionen Euro. Die Verträge laufen zwischen 2027 und 2029 aus. Die Versuchung, das Geld angesichts der angespannten Haushaltslage einfach einzusparen, sei groß, sagte Piechotta. Aber eben auch kurzsichtig.

Für die Aktie ist das kein Kurstreiber

Für BioNTech-Anleger ist diese Debatte vor allem eines: ein weiteres Zeichen dafür, wie weit das Unternehmen vom Hochpunkt der Pandemiejahre entfernt ist. Die Aktie hat seit ihrem 52-Wochen-Hoch bei 124 US-Dollar deutlich nachgegeben, zuletzt stand ein Minus von gut 7 Prozent auf Monatssicht zu Buche. Dass 7,6 Millionen Dosen im Bundeskühlhaus stehen und niemand sie haben will, erzählt eigentlich die ganze Geschichte.

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