BioNTech führt vertrauliche Gespräche über den Verkauf mehrerer deutscher Produktionsstandorte. Das berichtete Handelsblatt am 3. Juli. Der Mainzer Biotech-Konzern will fünf Werke loswerden, die ohnehin auf der Schließliste des laufenden Konzernumbaus stehen.
Fünf Standorte, ein Zeitplan
Vier der Werke liegen in Deutschland, eines in Singapur. Auf der deutschen Liste stehen Idar-Oberstein, Marburg, Tübingen und die Berliner Tochter JPT Peptide Technologies.
Die Fristen unterscheiden sich. JPT Peptide in Berlin, wo rund 140 Menschen arbeiten, soll bis Ende 2026 schließen. Die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen folgen bis Ende 2027. Der Standort in Singapur ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Der JPT-Verkauf läuft dabei getrennt von den Verhandlungen über die drei großen Fertigungsanlagen. BioNTech hatte die Berliner Firma 2009 übernommen, die Einheit gilt inzwischen als nicht mehr profitabel. Der Konzern sucht bereits einen neuen Lieferanten für Peptide.
Modernas Interesse — mit Bedingungen
Spekulationen über einen Käufer für die drei Fertigungsanlagen kursierten schon vor dem Handelsblatt-Bericht. Im Juni sagte Moderna-Chef Stéphane Bancel gegenüber Handelsblatt, die Werke wären bei der richtigen Partnerschaft mit der Bundesregierung eine interessante Alternative zum Neubau. Moderna signalisierte, betroffene Mitarbeiter im Falle eines Deals weiterzubeschäftigen.
Bancel knüpfte eine Zusage jedoch an ungelöste Bedingungen. Er forderte bessere Rahmenbedingungen und mehr Planungssicherheit in Deutschland — mit Blick auf Pläne der Regierung, Defizite der gesetzlichen Krankenversicherung über strengere Preisregeln und höhere Herstellerrabatte zu senken. Scheitern die Gespräche mit Berlin, will Moderna sich nach Alternativen in anderen europäischen Ländern umsehen.
Ob Moderna zu den Interessenten zählt, die Handelsblatt am 3. Juli erwähnte, bleibt offen. Der aktuelle Bericht nennt den US-Konzern nicht als Partei der laufenden Verhandlungen.
Sparprogramm mit Milliardenziel
Die Verkaufsgespräche sind Teil eines Effizienzprogramms, das BioNTech Anfang des Jahres angekündigt hatte. Bis 2029 sollen die Maßnahmen jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro bringen. Weltweit sind bis zu 1.860 Stellen betroffen.
Das Management setzt bewusst auf Verkäufe statt auf reine Schließungen. Der Ansatz soll Abwicklungskosten begrenzen und Käufer finden, die die Infrastruktur weiterbetreiben. BioNTech will so Kapital freisetzen und in die wachsende Onkologie-Sparte lenken.
Aktie bleibt trotz Newsflow ruhig
Die Reaktion an der Börse fällt bislang verhalten aus. Am Mittwoch schloss die Aktie bei 81,85 Euro, auf Wochensicht ein Minus von 4,10 Prozent. Auf Monatssicht steht dagegen ein Plus von 9,21 Prozent zu Buche — die Nachricht scheint den Titel also nicht grundsätzlich belastet zu haben.
Zum bisherigen Jahreshoch von 105,80 Euro aus dem Januar fehlen noch 22,64 Prozent. Zum Märztief bei 68,35 Euro beträgt der Abstand knapp 20 Prozent nach oben. Der Kurs bewegt sich nah am 50-Tage-Durchschnitt von 79,65 Euro, liegt aber knapp vier Prozent unter dem 200-Tage-Schnitt von 85,23 Euro.
Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 32 Prozent und einem RSI von 54 zeigt die Aktie kein extremes Momentum in eine Richtung. Der Markt scheint die Restrukturierung noch gegen die Wachstumsstrategie im Onkologie-Geschäft abzuwägen.
Eine konkrete Einigung über die deutschen Standorte wäre ein sichtbarer Schritt in BioNTechs Umbau vom Pandemie-Impfstoffhersteller zum breiter aufgestellten Onkologie-Konzern. Ob Moderna oder andere Interessenten tatsächlich zuschlagen, dürfte davon abhängen, wie die Bundesregierung auf die Forderungen der Pharmabranche nach besseren Standortbedingungen reagiert.
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