Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Ende August die ergänzende Zulassung für die an die Virusvariante XFG angepasste Corona-Impfstoffformel Comirnaty XFG erteilt.
Der gemeinsam mit Pfizer entwickelte Impfstoff darf für Erwachsene ab 65 Jahren sowie für Menschen zwischen 5 und 64 Jahren mit mindestens einem Risikofaktor eingesetzt werden. Für BioNTech ist die Freigabe ein wichtiger Baustein, um das schrumpfende Impfstoffgeschäft für die Saison 2026/2027 zu stabilisieren.
Zulassung trifft auf schwieriges Marktumfeld
Die Genehmigung kommt zu einem Zeitpunkt, in dem der Konzern an mehreren Fronten unter Druck steht. Erst Ende August hatte BioNTech gemeinsam mit dem Partner Genentech die Studie zum experimentellen mRNA-Krebsimpfstoff Autogene Cevumeran bei Darmkrebs-Patienten gestoppt.
Ein unabhängiges Gremium hatte festgestellt, dass die Behandlung das Überleben der Patienten in der untersuchten Indikation aller Voraussicht nach nicht verlängern würde. BioNTech betonte, dass eine separate Studie zu Bauchspeicheldrüsenkrebs mit demselben Wirkstoff unverändert fortgeführt wird.
Der Rückschlag in der Onkologie-Pipeline wiegt für Anleger schwer, weil BioNTech den Impfstoffbereich zunehmend als reifen, margenschwachen Markt betrachtet und seine Wachstumsstory stärker auf die Krebsforschung stützt. Die COVID-Impfstoffumsätze sinken seit Quartalen, und die anhaltende Preis- und Nachfrageerosion hatte den Konzern bereits dazu bewogen, seine Jahresumsatzprognose auf eine Spanne von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro zu senken.
Analysten reagieren uneinheitlich
Die Nachrichtenlage der vergangenen Tage hat auch die Einschätzungen der Analysten verändert. BMO Capital Markets stufte die Aktie am Dienstag von „Outperform“ auf „Market Perform“ zurück und senkte das Kursziel von 128 auf 105 US-Dollar. Die Abstufung folgt damit unmittelbar auf den Studienabbruch und die gekürzte Umsatzprognose.
Goldman Sachs zeigte sich zurückhaltender mit Anpassungen, senkte aber ebenfalls sein Kursziel, von 128 auf 127 US-Dollar, hält jedoch weiterhin an einer Kaufempfehlung fest. Die Bandbreite der Einschätzungen spiegelt die Unsicherheit wider, mit der der Markt die Balance zwischen dem etablierten, aber schrumpfenden Impfstoffgeschäft und den langfristigen Chancen der Krebsforschung bewertet.
Kurs bewegt sich seitwärts
An der Börse zeigt sich die gemischte Nachrichtenlage in einer verhaltenen Kursentwicklung. Die BioNTech-Aktie notiert aktuell bei 84,00 Euro und legt am heutigen Freitag um 1,1 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, das im Januar erreicht wurde, fehlen dem Papier weiterhin gut ein Fünftel.
Institutionelle Anleger reagieren unterschiedlich auf die Gemengelage: Der Vermögensverwalter Carmignac Gestion reduzierte seine BioNTech-Position im zweiten Quartal um knapp ein Drittel und hält nach dem Verkauf noch rund 79.875 Aktien im Depot. Solche Portfolioanpassungen zeigen, dass zumindest ein Teil der Investoren die kurzfristigen Risiken höher gewichtet als die möglichen Erfolge in der Onkologie.
Für Anleger bleibt die FDA-Zulassung von Comirnaty XFG damit vor allem ein stabilisierender, aber kein durchschlagender Faktor. Sie sichert BioNTech Umsätze im laufenden Impfsaison-Geschäft, ändert jedoch nichts an der grundsätzlichen Herausforderung, das Wachstum jenseits der Corona-Impfstoffe unter Beweis zu stellen.
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