Selten ziehen gleich drei Analystenhäuser binnen Stunden an einem Strang. Bei BioNTech ist das diese Woche der Fall: UBS, Jefferies und Berenberg bestätigen ihre Kaufempfehlungen und begründen das mit denselben Studiendaten aus der Onkologie-Pipeline. Trotzdem bewegt sich die Aktie kaum von der Stelle.
Lungenkrebs-Kombination überzeugt gleich mehrfach
Im Zentrum steht die Wirkstoffkombination aus Pumitamig und dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Elfetabart Drozuntecan, getestet bei kleinzelligem Lungenkrebs.
Die Ansprechraten fallen deutlich aus: 92 Prozent in der Erstlinientherapie, 76 Prozent in der Zweitlinie und noch 52 Prozent bei bereits stark vorbehandelten Patienten. UBS-Analyst David Dai sieht darin einen Therapieansatz, der seine Erwartungen übertroffen hat und sich als beste verfügbare Option erweisen könnte.
Jefferies-Analyst Akash Tewari betont einen anderen Aspekt: Es handle sich um eine „Novel-Novel“-Kombination, also den gemeinsamen Einsatz zweier neuartiger Wirkstoffe – mit ermutigender Verträglichkeit bei gleichzeitigen Wirksamkeitssignalen.
Berenberg-Analyst Harry Gillis wiederum hebt sein Kursziel von 132 auf 140 Dollar an und begründet den Schritt mit denselben Studienergebnissen. UBS und Jefferies halten an ihren Zielen von 135 beziehungsweise 138 Dollar fest – die Kursziele der drei Häuser liegen damit eng beieinander zwischen 135 und 140 Dollar.
Auch beim Antikörper Gotistobart, der gegen das Protein CTLA-4 gerichtet ist, fallen die Überlebensdaten aus der PRESERVE-003-Studie positiv aus. Der Wirkstoff wird als chemotherapiefreier Behandlungsansatz getestet – die entscheidenden Zwischendaten der zulassungsrelevanten Studienphase stehen noch in diesem Jahr aus.
Kursreaktion bleibt verhalten
Trotz der geballten Kaufempfehlungen tut sich beim Kurs wenig. Die Aktie notierte im NASDAQ-Handel zeitweise nur marginal tiefer, zuletzt bei rund 98,86 US-Dollar. Seit dem Höhenflug während der Corona-Pandemie 2021 bewegt sich das Papier seit über zwei Jahren größtenteils seitwärts unterhalb der 100-Dollar-Marke.
Berenberg hat wegen der starken Studienlage auch die Umsatzprognosen angepasst: Für Pumitamig kalkulieren die Analysten mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen möglichen Spitzenumsatz von 5 Milliarden US-Dollar, für Elfetabart mit 3 Milliarden US-Dollar.
Gedämpft wird der Ausblick durch die eingestellte Entwicklung der Krebstherapie iNeST bei Darmkrebs, für die die Erwartungen entsprechend gesenkt wurden. Finanziell bleibt BioNTech durch die Einnahmen aus dem Corona-Impfstoffgeschäft gepolstert, auch wenn das operative Geschäft derzeit rote Zahlen schreibt.
Die Zwischendaten zu Gotistobart aus der zulassungsrelevanten Phase-3-Studie dürften noch in diesem Jahr vorliegen und damit den nächsten konkreten Prüfstein für die Pipeline-Story liefern.
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