Die EU-Kommission hat BioNTech und Pfizer heute die Zulassung für einen an die Omikron-Sublinie XFG angepassten COVID-19-Impfstoff für die Saison 2026/2027 erteilt. Der monovalente Impfstoff richtet sich gegen die JN.1-Linie und ist ab einem Alter von sechs Monaten zugelassen. Die Genehmigung gilt für alle 27 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen und folgt einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur vom 23. Juli. Immunogenitätsdaten zeigten eine starke Reaktion gegen mehrere zirkulierende Varianten, darunter XFG.1.1, NB.1.8.1 und PQ.17. BioNTech hat die Produktion bereits auf eigenes Risiko gestartet, damit die Auslieferung im dritten Quartal beginnen kann.
Milliardenumsatz aus dem Impfzyklus erwartet
Für den Impfstoffzyklus 2026/2027 rechnet BioNTech mit Umsätzen von 4,2 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 68 Prozent. Die frische Zulassung markiert damit den formalen Startpunkt für dieses Geschäft und liefert dem Unternehmen nach einem finanziell schwierigen Jahr eine planbare Einnahmequelle. Allerdings hatte Morgan Stanley das Kursziel für die Aktie zuletzt auf 119 US-Dollar gesenkt, weil die Umsatzprognosen für die COVID-Impfstofflinie hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieben. Der breitere Analystenkonsens sieht dennoch ein Kursziel von 106,38 Euro für die Aktie.
Verlust wächst deutlich, Bilanz bleibt solide
Die im vergangenen Jahr veröffentlichte Jahresbilanz zeigt die Kehrseite des Übergangs vom Pandemie- zum Endemiegeschäft: Der Umsatz 2025 lag bei 2.869,9 Millionen Euro, während der Nettoverlust auf 1.136,1 Millionen Euro anstieg – nach einem Verlust von 665,3 Millionen Euro im Jahr 2024 und einem Gewinn von 930,3 Millionen Euro im Jahr 2023. Trotz des roten Vorzeichens verfügte BioNTech Ende des Berichtsjahres über liquide Mittel von 7.675,4 Millionen Euro und ein Eigenkapital von 19.224,2 Millionen Euro. Der Wirtschaftsprüfer EY erteilte ein uneingeschränktes Prüfungsurteil, wies aber auf kritische Prüfungsaspekte hin, darunter die Umsatzrealisierung im COVID-19-Geschäft, die Kollaboration mit Bristol Myers Squibb, laufende Rechtsstreitigkeiten sowie die Bewertung immaterieller Vermögenswerte – ein Hinweis auch auf die anhaltende Patentklage von Bayer im Zusammenhang mit mRNA-Technologie.
Um die Pipeline über das Impfstoffgeschäft hinaus zu verbreitern, hat BioNTech zwei größere Zukäufe getätigt. Für die Übernahme von Biotheus zahlte der Konzern rund 800 Millionen US-Dollar als Vorabzahlung, umgerechnet etwa 694 Millionen Euro. Bei CureVac lag der Wert der Transaktion bei rund 1,25 Milliarden US-Dollar beziehungsweise etwa 1.085 Millionen Euro auf Eigenkapitalbasis. Beide Deals sollen die Krebsimmuntherapie-Pipeline des Unternehmens stärken, die neben dem Impfstoffgeschäft zunehmend als zweites strategisches Standbein gilt. Zum 30. Juni waren 251.204.366 BioNTech-Aktien im Umlauf.
Quartalszahlen am Dienstag im Fokus
Im ersten Quartal hatte BioNTech einen Verlust je Aktie von 2,10 US-Dollar ausgewiesen und damit die Analystenschätzung von minus 2,26 US-Dollar übertroffen. Beim Umsatz verfehlte das Unternehmen mit 118,10 Millionen US-Dollar jedoch deutlich die Erwartung von 170,33 Millionen US-Dollar, ein Rückgang von rund 30,67 Prozent gegenüber der Prognose. Die Aktie reagierte damals mit einem Kursrückgang von 3,88 Prozent. Am kommenden Dienstag legt BioNTech nun die Zahlen für das zweite Quartal vor. Analysten erwarten einen Verlust je Aktie von 2,13 US-Dollar bei einem Umsatz von 160,90 Millionen US-Dollar.
An der Börse zeigt sich die Aktie von der frischen Zulassungsnachricht bislang wenig beeindruckt. Das Papier notiert aktuell bei 80,80 Euro, ein moderates Plus von 0,19 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro aus dem Januar bleibt ein Abstand von 23,63 Prozent, und auch unter dem 200-Tage-Durchschnitt liegt der Kurs mit 4,25 Prozent weiterhin zurück. Die anstehenden Quartalszahlen dürften zeigen, ob die neue Impfstoffzulassung tatsächlich als Wendepunkt für die Umsatzentwicklung taugt.
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