Ein jahrelanger Patentstreit ist vom Tisch – und die Wall Street reagiert mit einer Welle von Kurszielanhebungen. BioMarin hat sich mit Ascendis Pharma über den Wirkstoff Yuviwel geeinigt, einem direkten Konkurrenten zum eigenen Kassenschlager Voxzogo. Für Analysten ist das mehr als nur Rechtssicherheit – es ist bares Geld.
Royalties statt Rechtsstreit
Der Deal sieht vor, dass Ascendis BioMarin bis Mai 2030 Lizenzgebühren zahlt: 20 Prozent auf den Nettoumsatz von Yuviwel in den USA, 18 Prozent in der Europäischen Union, Brasilien und Südkorea. Die Zahlungen gelten rückwirkend zum ersten kommerziellen Verkauf und decken sämtliche aktuellen und potenziellen Anwendungsgebiete ab, einschließlich Achondroplasie und Hypochondroplasie.
Damit erledigen sich gleich mehrere offene Verfahren auf einen Schlag. Betroffen waren unter anderem die Untersuchung der US-Handelsbehörde ITC sowie Klagen in Brasilien, Dänemark, Deutschland, Südkorea und Kalifornien. BioMarin zieht im Gegenzug seine Beschwerde zurück und verzichtet auf bestimmte regulatorische Ausschließlichkeitsrechte.
Bemerkenswert: Die ITC hätte im Streitfall gar keinen Schadenersatz zusprechen können. Der Vergleich sichert BioMarin also Einnahmen, die auf dem Rechtsweg gar nicht erzielbar gewesen wären – nach Einschätzung von Jefferies sichert die Einigung Royalties auf Märkte, die rund 60 Prozent des für 2026 erwarteten weltweiten Voxzogo-Umsatzes ausmachen.
Kursziele klettern quer durchs Analystenfeld
Die Reaktionen der Investmenthäuser fallen unterschiedlich stark aus, die Richtung ist aber einheitlich nach oben:
- Morgan Stanley bestätigt „Overweight“ mit einem Kursziel von 124 Dollar
- Jefferies hebt sein Ziel auf 105 Dollar an und bleibt bei „Buy“
- Raymond James erhöht auf 109 Dollar, Rating „Outperform“
- Piper Sandler bekräftigt „Overweight“ mit 88 Dollar
- Stifel bleibt bei „Hold“ und einem Kursziel von 70 Dollar
Die Aktie selbst notiert bei rund 65 Dollar und damit nahe ihrem Jahreshoch. Jefferies beziffert den reinen Vergleichseffekt auf etwa einen Dollar zusätzlichen Barwert je Aktie – die deutlich höheren Kursziele speisen sich also vor allem aus dem Wegfall des Rechtsrisikos und der gesicherten Einnahmequelle.
Raymond James verweist zudem auf einen Nebeneffekt: Die zusätzlichen Royalty-Einnahmen aus den USA und der EU dürften BioMarin helfen, die Schuldenlast aus der Übernahme von Amicus schneller abzubauen. Der Vergleich fällt in eine Phase, in der das Unternehmen ohnehin operativ expandiert – mit der geplanten Übernahme von Alesta für 275 Millionen Dollar upfront und möglichen Meilensteinzahlungen von bis zu 215 Millionen Dollar.
Nicht alle sehen darin nur Positives: H.C. Wainwright senkte sein Kursziel zuletzt auf 59 Dollar und verwies auf die mit der Alesta-Übernahme verbundenen Kosten. Für die kommenden Quartale dürfte sich zeigen, wie stark die neuen Royalty-Zahlungen tatsächlich zur Bilanz beitragen, sobald Yuviwel in den relevanten Märkten kommerziell an Fahrt gewinnt.
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