Wenn Elliott Investment Management anklopft, ist das selten ein freundlicher Besuch. Der Aktivist, der rund 80 Milliarden Dollar verwaltet, hat sich ein Portfolio bei Bio-Rad Laboratories aufgebaut, einem US-Anbieter von Laborgeräten und Diagnostikprodukten. Das berichtete das Wall Street Journal, das sich auf Personen beruft, die mit der Sache vertraut sind. Die genaue Größe der Beteiligung blieb offen.
70 Prozent runter, und die Rechnung stimmt trotzdem nicht
Wer sich die Zahlen anschaut, versteht, warum Elliott hier aktiv wird. Bio-Rad hat eine Marktkapitalisierung von rund 6,7 Milliarden Dollar. Die Aktie liegt mehr als 70 Prozent unter ihrem Hoch aus dem Jahr 2021. Und jetzt das Pikante: Bio-Rad hält eine Beteiligung an Sartorius, dem deutschen Zulieferer für die Pharmaindustrie, die allein mit etwa 5 Milliarden Dollar bewertet wird. Das Unternehmen ist also fast so viel wert wie seine Beteiligung an einem anderen Unternehmen.
Elliott ist auch bei Sartorius selbst investiert, wie das WSJ schreibt. Das macht die Konstellation noch interessanter, denn Elliott sitzt damit auf beiden Seiten dieser Beteiligungsstruktur.
Bio-Rad Laboratories Aktie Chart
Erst der Verlust, dann der Ausblick
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Bio-Rad hat im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 527 Millionen Dollar ausgewiesen, was das Unternehmen auf Veränderungen im fairen Marktwert seiner Sartorius-Beteiligung zurückführte. Dazu senkte Bio-Rad den Umsatzausblick für das laufende Jahr, währungsneutral rechnet das Unternehmen nun mit minus 3 bis plus 0,5 Prozent Wachstum.
Elliott glaubt laut WSJ, dass Sartorius ein hochwertiges Unternehmen mit starkem Wachstumspotenzial ist. Ob das reicht, um Bio-Rad aus seiner langen Misere zu ziehen, ist eine andere Frage. Zuletzt hatte Elliott auch bei Charles River Laboratories investiert, der Fonds baut also gerade einen ziemlich konzentrierten Schwerpunkt im Gesundheitssektor auf.
Was Elliott will, ist klar
Der Aktivist soll darauf drängen, den Aktienkurs zu steigern. Wie genau, hat Elliott noch nicht öffentlich kommuniziert. Aber die Ausgangslage ist eindeutig: Ein Unternehmen, das fast so viel wert ist wie seine Beteiligung an einem anderen, hat ein strukturelles Problem. Elliott wird das nicht unkommentiert lassen. Bei 70 Prozent Kursverlust ist der Spielraum für Argumente groß, und der Druck auf das Management dürfte es bald auch sein.
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