Der Industriedienstleister Bilfinger hat am gestrigen Mittwochabend seine Geschäftsziele für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert und ein umfassendes Effizienzprogramm angekündigt.
Die Aktie des MDAX-Konzerns reagiert am heutigen Donnerstag mit einem massiven Kursrutsch auf die Nachrichten. Der Kurs notiert vorbörslich bei 68,55 €, was einem Minus von 8,7 % entspricht. Damit markiert das Papier ein neues 52-Wochen-Tief, wobei der Abstand zu dieser Marke aktuell bei 0,00 % liegt.
Massive Korrektur der Renditeziele
Das Unternehmen sieht sich gezwungen, die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 in nahezu allen Kennzahlen anzupassen. Beim Konzernumsatz rechnet Bilfinger nun mit einer Spanne von 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro, nachdem zuvor 5,4 bis 5,9 Milliarden Euro angepeilt worden waren.
Deutlich kräftiger fällt die Korrektur beim Ergebnis aus: Die EBITA-Marge wird nur noch zwischen 3,2 und 3,6 % erwartet. Ursprünglich hatte das Management eine Marge von 5,8 bis 6,2 % in Aussicht gestellt.
Bereinigt um die Einmalkosten für das neue Sparprogramm soll die operative Marge zwischen 4,6 und 5,0 % liegen. Dennoch bleibt dieser Wert hinter den Erwartungen des Marktes zurück. Laut Daten von Bloomberg hatten Analysten im Konsens zuletzt mit einer Marge von 5,65 % gerechnet.
Auch beim Free Cashflow muss der Konzern Abstriche machen. Statt der bisher prognostizierten 250 bis 300 Millionen Euro werden für das Gesamtjahr nur noch 180 bis 220 Millionen Euro erwartet.
Sparprogramm „Agile“ reagiert auf Nachfrageschwäche
Als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen hat der Vorstand das Programm „Agile“ beschlossen. Kern des Plans ist eine deutliche Reduzierung der Fixkosten, die auch einen massiven Stellenabbau umfasst. Weltweit sollen bis zu 1.500 der insgesamt rund 31.000 Stellen wegfallen. Betroffen ist vor allem die Verwaltung in Hochlohnländern, in denen Bilfinger zuletzt mit einer Unterauslastung zu kämpfen hatte.
Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit einer spürbaren Zurückhaltung der Kunden im dritten Quartal 2026. Insbesondere bei Neuaufträgen und Abrufen aus bestehenden Rahmenverträgen zeige sich eine Abschwächung. Geopolitische Unsicherheiten, insbesondere der anhaltende Krieg im Nahen Osten, belasten laut Medienberichten das Geschäftsklima und führen zu Verzögerungen bei Investitionsentscheidungen.
Für die Umsetzung von „Agile“ wird Bilfinger im vierten Quartal 2026 Rückstellungen in Höhe von etwa 75 Millionen Euro bilden. Diese Einmalkosten belasten das diesjährige Ergebnis erheblich, sollen sich jedoch bereits mittelfristig auszahlen.
Ab dem Jahr 2028 plant das Management mit einem jährlichen Ergebnisbeitrag von ebenfalls rund 75 Millionen Euro durch die erzielten Einsparungen. CEO Thomas Schulz betonte, dass diese Maßnahmen notwendig seien, um die Flexibilität des Konzerns zu erhöhen.
Fokus auf das Jahr 2030
Trotz der aktuellen operativen Schwierigkeiten hält Bilfinger an seinen langfristigen Zielen fest. Das Unternehmen bestätigte im Rahmen der Mitteilung die Mittelfristziele für das Jahr 2030. Diese sehen ein jährliches Umsatzwachstum von 8 bis 10 % inklusive Akquisitionen vor. Die EBITA-Marge soll bis Ende des Jahrzehnts auf ein Niveau von 8 bis 9 % steigen, bei einer Cash Conversion von mindestens 90 %.
Anleger müssen sich jedoch zunächst auf die kurzfristigen Belastungen konzentrieren. Details zum Geschäftsverlauf des dritten Quartals und zum Fortschritt des Sparprogramms werden für den 11. November erwartet, wenn Bilfinger den vollständigen Quartalsbericht vorlegt.
Bis dahin dürfte die Unsicherheit über die Dauer der Nachfrageschwäche im Industriesektor die Kursentwicklung maßgeblich bestimmen. Auch die weitere Entwicklung der Energiepreise und die politische Lage in den Absatzmärkten bleiben kritische Faktoren für die Erholung des Dienstleisters.
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