Nach der deutlichen Korrektur der Jahresziele steht Bilfinger am Kapitalmarkt weiter unter Druck. Heute bezifferten Analystenhäuser die Folgen der reduzierten Erwartungen mit teils drastischen Abstrichen bei den Kurszielen. Zugleich erläuterte Vorstandschef Thomas Schulz die Hintergründe der schwächeren Geschäftsentwicklung. An der Börse verbilligte sich das Papier heute um 2,7 Prozent auf 57,85 Euro.
Zögerliche Kunden und Sparprogramm
Laut einem Bericht von Bloomberg verwies CEO Thomas Schulz heute auf verzögerte Kundeninvestitionen. Zudem bleibe eine spürbare konjunkturelle Erholung in Deutschland bislang aus. Diese Zurückhaltung dämpft die Nachfrage nach den Dienstleistungen des Konzerns spürbar.
Am Mittwoch hatte das Unternehmen bereits seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr gekappt. Als wesentlichen Grund nannte Bilfinger fortdauernde geopolitische Unsicherheiten, die den Geschäftsverlauf im zweiten Halbjahr belasten. Die EBITA-Marge soll nun lediglich 3,2 bis 3,6 Prozent erreichen, nachdem zuvor bis zu 6,2 Prozent avisiert worden waren.
Als Reaktion auf den Ertragsdruck leitete das Management Gegenmaßnahmen ein. Das am Mittwoch beschlossene Programm mit dem Namen „Agile“ soll die Strukturen straffen. Im laufenden Geschäftsjahr zieht die Initiative einmalige Kosten von rund 75 Millionen Euro nach sich. Ab dem Jahr 2028 verspricht sich das Unternehmen davon einen jährlichen Ergebnisbeitrag in gleicher Höhe.
Geteilte Reaktionen im Analystenlager
Die Gewinnwarnung löste am heutigen Freitag unmittelbare Reaktionen bei Experten aus. Das Analysehaus Bernstein stufte die Bilfinger-Aktie von „Outperform“ auf „Market-Perform“ herab. Gleichzeitig kappten die Experten das Kursziel von zuvor 105 Euro auf nun 62 Euro.
Deutsche Bank Research bewertet die Lage hingegen weniger pessimistisch. Die Experten bestätigten heute ihre Einstufung mit „Buy“. Dennoch passte auch dieses Institut seine Erwartungen an und reduzierte den Zielwert von 125 Euro auf 100 Euro.
Anleger verdauen den Rückschlag
An der Börse spiegelt sich die Verunsicherung über den weiteren Geschäftsverlauf deutlich wider. Auf Sicht von sieben Tagen verzeichnet der Titel ein Minus von 24 Prozent. Die Marktteilnehmer richten ihren Blick nun darauf, wie zügig das Sparprogramm greift und ob sich die Investitionsbereitschaft der Industriekunden in den kommenden Quartalen wieder belebt.
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