Beta Technologies nutzt die Farnborough International Airshow für einen doppelten Auftritt. Innerhalb weniger Stunden verkündet der US-Elektroflugzeughersteller sowohl einen neuen Kunden aus der zivilen Luftfahrt als auch ein neues Produkt für den Verteidigungssektor. Für ein Unternehmen, das sich noch mitten in der Zertifizierungsphase befindet, ist das ein bemerkenswert dichtes Nachrichtenpaket.
Loganair bestellt Elektroflieger für Schottland
Die schottische Regionalfluggesellschaft Loganair hat ein Term Sheet für fünf ALIA-CTOL-Flugzeuge vom Typ CX300 unterschrieben, mit Optionen auf fünf weitere Maschinen. Der Einstieg in den Passagier- und Frachtbetrieb ist für 2029 geplant. Damit würde Loganair nach eigener Einschätzung zur ersten Airline Europas mit einer kommerziellen Elektroflugzeugflotte werden.
Vorausgegangen war ein Demonstrationsprogramm im März, bei dem das CTOL-Modell 23 Flüge in zehn Tagen über das Loganair-Streckennetz absolvierte — von Glasgow über Dundee bis in entlegene Orte wie Wick und Kirkwall. Mehr als 1.000 nautische Meilen legte die Maschine dabei unter realen Betriebsbedingungen zurück. Loganair-Chef Luke Farajallah bezifferte das mögliche Einsparpotenzial bei den Betriebskosten auf bis zu 80 Prozent gegenüber konventionellen Regionalfliegern.
Die kurzen Strecken unter 160 Kilometern, die für Loganair typisch sind, passen zum Einsatzprofil der CX300. Die Maschine startet von bestehenden Landebahnen und lädt in 20 bis 40 Minuten über Betas eigenes Schnellladesystem nach — ein Detail, das für den Inselverkehr in Schottland durchaus relevant ist.
MV250 zielt auf Militärlogistik
Parallel dazu stellte Beta mit der MV250 ein neues hybrid-elektrisches VTOL-Fluggerät für militärische Logistikaufgaben vor. Entwickelt in Zusammenarbeit mit GE Aerospace, das den Turbogenerator für Hybridflug und Bodenstromversorgung beisteuert, erreicht die Maschine eine Verlegereichweite von 1.300 nautischen Meilen und trägt eine Nutzlast von 900 Kilogramm über eine taktische Reichweite von 250 nautischen Meilen.
Die Autonomiesysteme sind MOSA-konform und wurden bereits sowohl mit Sikorskys MATRIX-Plattform als auch mit Betas eigener Technik in Flugtests erprobt. Airframe und Systeme der MV250 teilen sich weitgehend die Architektur der zivilen ALIA-VTOL-Baureihe — ein Ansatz, der Entwicklungs- und Produktionskosten senken soll, weil bestehende Fertigungslinien genutzt werden können.
Beta rechnet damit, die MV250 künftig bei größeren Militärübungen einzusetzen. Die Maschine ist während der gesamten Farnborough-Messe am Beta-Stand zu besichtigen. Für Anleger liefert der Tag damit gleich zwei Signale: einen konkreten Flottenauftrag im Zivilsegment und einen Vorstoß ins Verteidigungsgeschäft, der Beta von reinen Elektroflugzeug-Wetten weiter in Richtung eines diversifizierten Luftfahrt- und Rüstungszulieferers rückt.
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