Greg Abel hat bei seinem Japan-Besuch keinen Zweifel daran gelassen, wohin die Reise geht. Berkshire Hathaways Vorstandschef bekräftigte gegenüber CNBC den ungebrochenen Appetit auf die fünf japanischen Handelshäuser Mitsubishi, Itochu, Mitsui, Marubeni und Sumitomo. „Unser Ziel ist es, unsere Beteiligung an ihnen weiter zu erhöhen“, sagte Abel und deutete an, dass bereits im kommenden Monat neue Käufe folgen könnten, sollten sich Gelegenheiten bieten.
Damit rückt eine Position ins Zentrum, die Berkshire seit Jahren begleitet und die zuletzt durch die Debatte um Japans Anleiherenditen unter Beobachtung stand. Abel wies entsprechende Sorgen zurück: Die Zinsentwicklung am japanischen Anleihemarkt stelle für die fünf Handelshäuser keine Belastung dar.
Alphabet als Blaupause für Abels neue Rolle
Der Japan-Vorstoß fällt in eine Phase, in der Abel zunehmend als eigenständiger Kapitalallokator wahrgenommen wird – auch wenn Medienberichten zufolge weiterhin vieles auf Warren Buffetts Handschrift zurückgeht.
Abel selbst ordnete gegenüber CNBC die vor gut einer Woche diskutierte Alphabet-Position ein und bezeichnete den Softwarekonzern als „bedeutenden Akteur“ im Bereich künstlicher Intelligenz. Buffett habe die Position, wie Abel bestätigte, bereits vor rund fünfzehn Monaten aufgebaut – also im Sommer 2025, deutlich früher als der massive Ausbau im zweiten Quartal.
Diese Gemengelage aus Buffetts fortgesetztem Einfluss auf Aktienentscheidungen und Abels operativer Führung der Sparten prägt derzeit die Wahrnehmung des Konzerns. Beobachter verweisen darauf, dass sich Buffett mit 96 Jahren weiterhin aktiv einbringt, während sich der Aktienkurs zuletzt kaum bewegt hat – ein Kontrast zu den weitreichenden strategischen Weichenstellungen im Portfolio.
Energiesparte setzt auf Bedingungen statt Wachstum um jeden Preis
Auch bei Berkshire Hathaway Energy zeigt sich unter Abels Führung ein vorsichtiger, aber offensiver Kurs. Für die Beteiligung am Boom der KI-Rechenzentren nannte Abel drei nicht verhandelbare Bedingungen: Bestehende Kunden dürfen nicht durch höhere Preise belastet werden, Kommunen müssen die Wasserauswirkungen verstehen, und die Standortwahl der Rechenzentren braucht gesellschaftliche Akzeptanz. Die steigende Nachfrage nach Rechenzentrums-Strom bezeichnete er dennoch als „bedeutende Chance“ für die Energiesparte.
Diese Haltung passt zum Muster, das sich auch in Japan zeigt: Abel expandiert, aber nur unter klar definierten Bedingungen. Für Anleger ergibt sich daraus ein Bild eines Managements, das trotz milliardenschwerer Zukäufe – etwa der zuletzt diskutierten Aufstockung bei Alphabet vor gut einer Woche, seit der die Aktie um 0,8 Prozent nachgab – an einem konservativen Risikorahmen festhält.
Der jüngste Aktienrückkauf vom vergangenen Samstag, nach dem das Papier um 0,7 Prozent zurückging, und der rund einen Monat zurückliegende Quartalsbericht, der eine Kursbewegung von 3,9 Prozent nach unten nach sich zog, fügen sich in dieses Bild einer Aktie, die trotz strategischer Signale kaum Schwung entwickelt.
Für die japanischen Beteiligungen bedeutet Abels Aussage vor allem eines: Die seit Jahren laufende Aufstockung ist noch nicht am Ende. Sollte Berkshire im Oktober tatsächlich weitere Anteile erwerben, würde das die Position in den fünf Handelshäusern weiter festigen – ein Engagement, das Abel nach eigenen Worten auf lange Sicht angelegt sieht.
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