Ein Interview reichte, um halb Tokio in Bewegung zu setzen. Berkshire-Hathaway-CEO Greg Abel erklärte gegenüber der Nikkei, der US-Investmentkonzern erwäge, seine Beteiligungen an Japans fünf größten Handelshäusern weiter auszubauen. Die Reaktion an der Börse ließ nicht lange auf sich warten.
Mitsubishi Corp. schoss um rund 5,4 Prozent nach oben, Sumitomo zog nahezu genauso stark an. Auch Itochu, Mitsui und Marubeni gewannen deutlich, der gesamte Sektor der sogenannten Sogo Shosha zählte zu den größten Gewinnern im Topix-Index.
Buffetts Erbe, Abels Bekenntnis
Warren Buffett hatte 2019 den Einstieg bei den fünf Handelshäusern eingefädelt, angezogen von soliden Bilanzen, günstigen Bewertungen und einem schwachen Yen.
Seither ist daraus eine der größten Auslandspositionen im Berkshire-Portfolio geworden: Ende 2025 hielt der Konzern Anteile im Wert von 35,37 Milliarden Dollar an den fünf Unternehmen, dazu kamen im vergangenen Jahr 862 Millionen Dollar an Dividenden. Mitsubishi bleibt mit einem Anteil von 10,8 Prozent und einem Wert von 9,21 Milliarden Dollar die größte Einzelposition der Gruppe.
Abel, der seit Januar 2026 die Konzernspitze übernommen hat, positioniert sich damit erstmals öffentlich zu diesem Kernstück des Portfolios. Im CNBC-Interview betonte er, Berkshire wolle die Beteiligungen „für viele Jahrzehnte“ halten – als strategisches Fundament, nicht als Altlast aus der Buffett-Ära.
Bemerkenswert war zudem seine Einschätzung zu den japanischen Staatsanleihen: Die zuletzt auf Mehrjahreshochs gestiegenen Renditen sieht Abel nicht als ernsthafte Bedrohung für die Geschäftsmodelle der Handelshäuser. Diese Aussage nahm dem Markt eine Sorge, die zuvor auf dem Sektor gelastet hatte.
Breitere Signalwirkung für den Markt
Die Kursreaktion blieb nicht auf Japan beschränkt. Auch der Nikkei 225 profitierte von der Rally der Handelshäuser und notierte im Plus, während Berkshires eigene Aktie an der Wall Street leicht zulegte. Für Marktbeobachter fügt sich Abels Auftritt in ein größeres Bild: Der neue CEO positioniert sich zunehmend selbstbewusst zu strategischen Kernthemen des Konzerns – von den US-Technologiewerten bis zu den japanischen Auslandsengagements.
Ob Berkshire seine Anteile an den fünf Handelshäusern tatsächlich über die bislang erreichten neun bis elf Prozent hinaus ausbaut, hängt auch von bestehenden Vereinbarungen mit den Unternehmen ab, die eine Obergrenze von zehn Prozent vorsahen. Abels Aussagen gegenüber der Nikkei deuten darauf hin, dass diese Grenze in Bewegung geraten könnte.
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