BayWa steht vor einer heiklen Woche. Am 26. Mai kommt die erste Quartalsmitteilung seit Beginn der Sanierung. Der Bericht trifft auf eine Lage, in der das alte Rettungskonzept nicht mehr trägt.
Der Grund liegt bei BayWa r.e. Der geplante Teilverkauf der Energietochter sollte den Schuldenabbau stützen. Nach dem Wegfall wichtiger US-Förderungen für Wind- und Solarprojekte wirkt dieser Baustein nun kaum noch belastbar.
Der r.e.-Deal fällt als Stütze weg
BayWa wollte 51 Prozent an BayWa r.e. verkaufen. Der erwartete Erlös lag bei 1,7 Milliarden Euro. Nun muss der Konzern neu planen.
Die Folgen reichen tief in die Kapitalstruktur. Die neuen Belastungen sollen einen Schaden im hohen neunstelligen Bereich bis über eine Milliarde Euro auslösen. Ein neues Konzept soll bis Mitte 2026 stehen.
Nach aktuellem Stand läuft es auf einen Schuldenschnitt hinaus. Gläubiger müssten dabei auf Forderungen von rund einer Milliarde Euro verzichten. Das ist der Punkt, an dem die Sanierung politisch und finanziell schwer wird.
Die Banken zeigen den Druck bereits in ihren Büchern. Genossenschaftsbanken schrieben im Jahresabschluss 2024 schon 60 Prozent eines Schuldscheindarlehens über 220 Millionen Euro ab.
Banken und Aktionäre ziehen nicht gleich
Die Interessen prallen nun offen aufeinander. Genossenschaftliche Großaktionäre wollen Maßnahmen vermeiden, die ihre Beteiligungen stark entwerten. Banken um DZ Bank und UniCredit fordern dagegen Schuldenschnitte, Rangrücktritte und einen langen Verzicht auf Dividenden.
Kein Wunder, dass die Gespräche zäh laufen. Ohne Zugeständnisse der Gläubiger fehlt dem Umbau aber der zentrale Hebel. Ohne Schutz für die Eigentümer droht dagegen weiterer Widerstand im Aktionärskreis.
Die Aktie spiegelt diese Nervosität. Am Freitag schloss sie bei 12,95 Euro und legte am Tag um 1,17 Prozent zu. Seit Jahresanfang steht dennoch ein Minus von 22,69 Prozent.
Auch der Trend bleibt angeschlagen. Der Kurs liegt 19,62 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Die hohe annualisierte Volatilität von 93,65 Prozent zeigt, wie sprunghaft der Markt die Lage bewertet.
T&G soll Geld bringen
Als Ersatzbaustein treibt BayWa den Verkauf der neuseeländischen Obsttochter T&G Global voran. Der Konzern hält 74 Prozent an der Gesellschaft. Goldman Sachs sucht seit März 2026 nach einem Käufer.
Im Gespräch sind auf Landwirtschaft spezialisierte Private-Equity-Häuser. Genannt werden Roc Partners, Paine Schwartz und Hancock. Ein Verkauf könnte die Liquidität stärken, löst das Grundproblem aber nicht allein.
T&G erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn lag bei 16 Millionen US-Dollar. Der erwartete Erlös beträgt rund 300 Millionen Euro.
Ein zusätzlicher Haken bleibt die Eigentümerstruktur. Die Hongkonger Joy Wing Mau Group hält knapp 20 Prozent an T&G. Das kann eine Mehrheitsübernahme erschweren.
BayWa hat beim Abbauprogramm weiter viel Arbeit vor sich. Vom Ziel von vier Milliarden Euro bis 2028 sind bislang 1,3 Milliarden Euro gesichert. Der T&G-Verkauf wäre damit ein Beitrag, aber kein Ersatz für den r.e.-Deal.
Herbst wird zur Belastungsprobe
Bis Herbst 2026 muss BayWa drei Punkte liefern: den testierten Jahresabschluss für 2025, die Verlängerung der Stillhaltevereinbarung und den T&G-Verkauf. DZ Bank und UniCredit/HVB müssen dem Aufschub zustimmen.
Ohne diese Zustimmung verliert der im Mai 2025 finalisierte StaRUG-Plan seine rechtliche Basis. Scheitert ein Baustein, gerät der gesamte Umbau ins Wanken.
Die operative Planung hat BayWa bereits angepasst. Mitte März meldete der Konzern, dass sich die Energietochter schwächer entwickelt als erwartet. Für die Jahre 2026 bis 2028 rechnet BayWa r.e. nun mit deutlich geringeren Ergebnissen als im früheren Gutachten.
Parallel dazu wächst die juristische Front. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Es geht um den Verdacht auf Untreue und falsche Darstellung im Jahresabschluss 2023.
Die Prüferaufsicht Apas prüft außerdem PricewaterhouseCoopers. PwC hatte für 2023 ein uneingeschränktes Testat erteilt. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Am 26. Mai zählen vor allem zwei Punkte: Tagesgeschäft und Liquidität. Vorständin Marlen Wienert hat gesagt, die Liquidität habe planmäßig den höchsten Stand seit Krisenbeginn erreicht. Der Konzernfinanzbericht für 2025 soll erst am 30. Oktober folgen; bis dahin bleibt das Vertrauen stark an Zwischenzahlen und Bankenzusagen gebunden.
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