BayWa hat mit seinen Gläubigerbanken und den Großaktionären eine Grundsatzeinigung über ein erweitertes Sanierungskonzept erzielt. Kernstück der Vereinbarung ist die Umwandlung von 700 Millionen Euro Verbindlichkeiten in nachrangige Finanzinstrumente. Das Ziel: die Eigenkapitalbasis des Konzerns stärken, ohne dass sofort Liquidität abfließt. Medienberichten zufolge soll die rechtsverbindliche Fassung der neuen Sanierungsvereinbarung mit allen Gläubigern im Herbst unterzeichnet werden.
Sanierungsfahrplan bis 2030 statt 2028
Vorstand und Aufsichtsrat von BayWa hatten den Sanierungsfahrplan bereits Ende Juni offiziell um zwei Jahre verlängert. Ursprünglich sollte die Restrukturierung bis 2028 abgeschlossen sein, nun reicht der Zeithorizont bis Ende 2030. Laut dpa soll die längere Frist es ermöglichen, rund drei Viertel der Konzernschulden abzubauen. Die jetzige Grundsatzeinigung mit den Gläubigerbanken und Großaktionären setzt diesen verlängerten Fahrplan in konkrete Finanzierungsbausteine um.
Parallel zu den Verhandlungen mit den Gläubigern hat sich ein Bankenkonsortium abgesichert. Deutsche Bank, Commerzbank, LBBW, UniCredit und DZ Bank ließen sich laut FINANCE Magazin Grundschulden auf BayWa-Immobilien in Schwabmünchen und Kitzingen im Wert von rund 400 Millionen Euro eintragen. Solche Sicherheiten sind in Sanierungsprozessen üblich, sie zeigen aber auch, wie genau die Kreditgeber ihr Risiko gegen den Konzern absichern.
Operatives Geschäft übertrifft Sanierungsziele
Trotz der angespannten Bilanzsituation lieferte BayWa im ersten Quartal 2026 solide operative Zahlen. Der Konzernumsatz sank auf 2,3 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA lag jedoch über den im Sanierungsplan festgelegten Zielvorgaben. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal: Die Sanierung hängt nicht nur von Finanzierungskonstrukten ab, sondern auch davon, ob das operative Geschäft die vereinbarten Meilensteine erreicht.
Auf der Governance-Seite hat ein Gericht Anfang Mai drei neue Aufsichtsratsmitglieder bestellt: Ines Kapphan von Kynetec, Solveig Menard-Galli, die zuvor bei Wienerberger tätig war, und Christine Rittner-Koch, ehemals bei Lidl. Die Neubesetzung fällt in eine Phase, in der der Aufsichtsrat die Sanierungsentscheidungen eng begleiten muss.
Auch operativ bewegt sich im Konzern etwas: Die Tochtergesellschaft BayWa r.e. realisierte zusammen mit der Rheinland Solar GmbH ein Batteriespeichersystem mit 10 Megawattstunden Kapazität für die Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG in Mutterstadt. Das Projekt soll dem Abnehmer helfen, seinen Eigenverbrauch zu optimieren, und zeigt, dass das Erneuerbaren-Geschäft trotz der Konzernkrise weiterläuft.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse spiegelt sich die angespannte Lage weiterhin deutlich wider. Die BayWa-Aktie notiert aktuell bei 10,10 Euro und liegt damit nur 3,91 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 9,72 Euro, das erst im Juni markiert wurde. Auf Sicht von 30 Tagen hat das Papier 12,17 Prozent an Wert verloren, seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus auf fast 40 Prozent. Die hohe annualisierte Volatilität von gut 71 Prozent zeigt, wie nervös der Handel mit dem Titel bleibt, solange die endgültige Sanierungsvereinbarung noch aussteht.
Für den weiteren Jahresverlauf bleiben zwei Termine entscheidend: die für den Herbst angekündigte rechtsverbindliche Sanierungsvereinbarung mit allen Gläubigern sowie die für das vierte Quartal erwartete Veröffentlichung des geprüften Jahres- und Konzernabschlusses 2025, dessen Verzögerung direkt mit den laufenden Sanierungsverhandlungen zusammenhängt. Erst wenn beide Meilensteine erreicht sind, dürfte sich zeigen, ob die Grundsatzeinigung tatsächlich trägt.
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