BayWa Aktie: r.e.-Verkauf bringt 800 Millionen weniger

BayWa verschärft Sanierungskurs: Großaktionäre müssen Kapitalerhöhung absichern oder Anteilsverlust fürchten.

Auf einen Blick:
  • Großaktionäre in Treuhandlösung gezwungen
  • Gläubiger wandeln Kredite in Nachrangdarlehen um
  • Verkaufserlös für Ökostromtochter sinkt massiv
  • Sanierungsziel auf Ende 2030 verschoben

Der Münchner Agrarkonzern greift zu drastischen Mitteln. BayWa schnürt ein neues Rettungspaket und zwingt seine Großaktionäre in eine ungewöhnliche Treuhandlösung. Wer nicht mitzieht, verliert seine Anteile.

Die Volks- und Raiffeisenbanken halten rund 67 Prozent der BayWa-Aktien. Sie übertragen diese Anteile nun an einen Treuhänder. Der Rückfall der Papiere ist an eine harte Bedingung geknüpft. Die Eigner müssen bei einer geplanten Kapitalerhöhung im Jahr 2029 mindestens 220 Millionen Euro beisteuern. Tun sie das nicht, darf der Treuhänder die Aktien verkaufen.

Parallel dazu machen die Gläubigerbanken erhebliche Zugeständnisse. Sie wandeln Kredite von bis zu 700 Millionen Euro in ein nachrangiges Instrument um. Scheitert die Sanierung erneut, stellen sie sich beim Geldverteilen hinten an. Obendrein entkonsolidiert der Konzern seine Ökostromtochter BayWa r.e.

Wertverlust bei der Ökostromtochter

Genau diese Tochtergesellschaft erzwingt die Nachbesserung des Sanierungsplans. Ursprünglich wollte BayWa die Sparte für 1,7 Milliarden Euro abstoßen. Das aktuelle Marktumfeld durchkreuzt diese Pläne allerdings massiv. Die Beteiligten rechnen nun mit 800 Millionen Euro weniger Verkaufserlös.

Auch die operativen Erwartungen sinken spürbar. Das Management rechnete für das Jahr 2028 bisher mit einem operativen Gewinn von 230 Millionen Euro. Inzwischen geht die Führung nur noch von etwa 150 Millionen Euro aus.

Die Konsequenz: Der Sanierungszeitraum verlängert sich. Vorstand und Banken peilen nun Ende 2030 als neues Zieldatum an. Dafür verlängern die Geldgeber die bestehenden Bankkredite um zwei Jahre. Zusätzlich erhält das Unternehmen eine Zinsentlastung.

Abkehr vom Expansionskurs

Das Unternehmen wickelt damit das Erbe des ehemaligen Vorstandschefs Klaus Josef Lutz ab. Er finanzierte von 2008 bis 2023 eine aggressive internationale Expansion auf Pump. Dazu zählten der Aufbau des Erneuerbare-Energien-Geschäfts sowie Zukäufe in den Niederlanden und Neuseeland. Nun schrumpft sich BayWa wieder auf das angestammte Kerngeschäft im deutschen Agrarhandel zurück.

An der Börse sorgte die Grundsatzeinigung am Freitag für leichte Erleichterung. Die BayWa-Aktie schloss bei 11,55 Euro und verbuchte ein Tagesplus von 2,67 Prozent. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Titel allerdings noch immer einen Verlust von rund 31 Prozent.

Bis zur endgültigen Rettung vergeht noch Zeit. Aus dem aktuellen Konzept muss bis Herbst 2026 ein rechtsverbindlicher Vertrag entstehen. Dafür brauchen alle beteiligten Gremien ihre formelle Zustimmung. Verweigern sie diese, drohen dem Agrarkonzern unweigerlich neue Turbulenzen.

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