Die BayWa-Aktie steigt am Freitag kräftig. Eine neue Umfrage unter Landwirten zeichnet jedoch ein anderes Bild. Ausgerechnet in der Kernklientel des Agrarkonzerns wächst die Skepsis gegenüber dem Sanierungskurs.
Nur jeder zweite Landwirt bleibt treu
Das Fachmedium agrarheute befragte 1.287 Landwirte zu ihren Vermarktungsplänen. Das Ergebnis vom 11. Juli 2026 fällt ernüchternd aus. Nur 49 Prozent wollen ihre Ernte weiterhin über die BayWa verkaufen.
Rund 37 Prozent planen den Wechsel zu einem anderen Anbieter für die kommende Saison. Weitere 14 Prozent sind noch unentschlossen. Für einen Agrarhändler ist das ein Alarmsignal.
Der Handel mit Getreide und anderen Erzeugnissen bildet das Rückgrat des Konzerns. Wandern Landwirte in großer Zahl ab, drohen Warenströme und Margen wegzubrechen. Das könnte die laufende Sanierung erschweren.
Finanzielle Rettung reicht allein nicht
Ende Juni einigten sich Gläubigerbanken und die beiden Großaktionäre auf grundlegende Sanierungsschritte. Die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest stimmten den Maßnahmen zu. Das Ziel: Liquidität sichern und die Kapitalstruktur langfristig ordnen.
Die Umfrage zeigt aber: Die Finanzseite allein sichert das operative Geschäft nicht ab. BayWa muss jetzt beweisen, dass der Konzern trotz Restrukturierung ein verlässlicher Partner bleibt.
Aktie erholt sich, Bilanz bleibt schwach
Am Freitag schloss das Papier bei 10,90 Euro. Das entspricht einem Plus von 4,31 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 5,63 Prozent zu Buche, auf Monatssicht summiert sich der Rückgang auf 11,74 Prozent.
Der Blick auf die längere Frist macht das Ausmaß der Krise deutlich. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie 34,93 Prozent. Binnen zwölf Monaten wuchs das Minus auf 46,83 Prozent.
Vom Rekordhoch bei 23,90 Euro aus dem Dezember 2025 trennen den Titel noch immer 54,39 Prozent. Nach unten hat sich der Kurs zuletzt aber stabilisiert.
Zum 52-Wochen-Tief bei 9,72 Euro vom 19. Juni hält die Aktie inzwischen wieder Abstand von 12,14 Prozent. Der RSI von 44,2 signalisiert einen neutralen Bereich, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte Volatilität von 53,94 Prozent zeigt aber: Die Nervosität am Markt bleibt hoch.
Unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 14,93 Euro notiert das Papier weiterhin deutlich, ein Abstand von 26,97 Prozent. Auch der 50-Tage-Schnitt bei 12,22 Euro liegt klar über dem aktuellen Kurs.
Der Xetra-Handel startet am Montag neu. Ob BayWa die Abwanderung der Landwirte bis zur neuen Vermarktungssaison stoppt, entscheidet über die Ertragsbasis des laufenden Sanierungsgutachtens.
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