Die Baumarktkette BayWa Bau & Garten steuert auf ihr Ende zu. Am Freitag wurde die Liquidation der insolventen Handelsgruppe offiziell eingeleitet – für 35 der mehr als 110 Standorte fanden sich Investoren, die Baumarktkette Obi übernimmt davon bis zu zwölf Filialen.
Für Anleger der börsennotierten BayWa AG ist das Ereignis dennoch kein Konzernthema: Die Baumarktkette gehört seit dem Verkauf des Geschäfts an die Hellweg-Eigentümerfamilie Semer im Jahr 2012 nicht mehr zum Konzern und führt den Namen BayWa lediglich auf Lizenzbasis.
Die Insolvenz trifft dennoch Menschen mit direktem BayWa-Bezug. In den Unternehmenszentralen in München-Garching und Dortmund verlieren rund 340 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Für die zehn fränkischen Standorte der Marke fand sich im bisherigen Investorenprozess kein Käufer – die Filialen sollen bis Ende November 2026 schließen. Das Insolvenzgericht hatte das Eigenverwaltungsverfahren für die Baumarktgruppe bereits am Mittwoch formell eröffnet.
Kein operativer Berührungspunkt zum Konzern
Die BayWa AG selbst ist mit der Abwicklung nicht rechtlich verknüpft. Ihre eigentliche Baustelle liegt woanders: im Sanierungskonzept, auf das sich der Vorstand vor gut zwei Monaten mit Gläubigerbanken und den Großaktionären Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG sowie Raiffeisen Agrar Invest AG grundsätzlich verständigt hatte.
Vorgesehen ist die Umwandlung von Finanzverbindlichkeiten in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro in ein Nachranginstrument, eingebettet in einen Sanierungsfahrplan bis 2030. Seit jener Einigung hat die Aktie rund 13,6 Prozent verloren.
Parallel treibt der Konzern die vollständige Entkonsolidierung seiner Ökostromtochter BayWa r.e. voran. Der geplante Verkauf der 51-prozentigen Beteiligung an einen bislang nicht benannten „Transformations-Gesellschafter“ liegt ebenfalls schon über einen Monat zurück und kostete die Aktie seither rund 12 Prozent.
Blick auf Herbst und Bilanzvorlage
Für die eigentliche Zukunft des Konzerns zählt nun ein anderer Termin: Im Herbst 2026 soll die rechtsverbindliche Sanierungsvereinbarung mit allen beteiligten Finanzierungspartnern stehen, aufbauend auf der Grundsatzverständigung vom Sommer. Zudem steht im vierten Quartal 2026 die Veröffentlichung des verzögerten Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2025 an, verzögert durch Restrukturierung und Bewertungsfragen rund um BayWa r.e.
Operativ zeigt der Konzern erste Fortschritte: Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz infolge von Portfoliobereinigungen – darunter der Verkauf der Cefetra Group – auf 2,3 Milliarden Euro nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA lag dabei über den Zielen des Sanierungsplans.
An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt widerstandsfähig: Am Freitag schloss sie bei 9,68 Euro, ein Plus von 4,5 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 7,6 Prozent zu Buche, auch wenn der Titel binnen 30 Tagen noch 12 Prozent verloren hat.
Vom 52-Wochen-Tief bei 7,36 Euro, markiert am 11. August, hat sich das Papier um 32 Prozent entfernt – ein Signal, dass Anleger den anstehenden Herbst-Terminen mit vorsichtigem Optimismus entgegensehen.
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