Drei neue Aufsichtsrätinnen, schärfere Kontrollregeln, ein laufendes Ermittlungsverfahren — bei BayWa läuft der Umbau auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Die Aktie legte heute rund 6,5 Prozent zu und notiert bei 13,85 Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von mehr als 25 Prozent.
Gerichtliche Bestellung nach Rücktrittswelle
Drei Abgänge haben den Aufsichtsrat ausgedünnt. Michael Höllerer und Monika Hohlmeier traten zum 31. März zurück. Monique Surges legt ihr Mandat zum 30. Mai nieder. Das Gericht bestellte daraufhin Dr. Ines Kapphan, Solveig Menard-Galli und Christine Rittner-Koch als Nachfolgerinnen auf der Kapitalseite.
Die Auswahl folgt einem neuen Kompetenzprofil. BayWa legt nun stärkeres Gewicht auf Landwirtschaft, Handel, Bauen sowie Digitalisierung. Menard-Galli war zuletzt COO bei Wienerberger. Rittner-Koch leitete Personalfunktionen bei der Lidl Stiftung. Auf der nächsten Hauptversammlung — frühestens nach Vorlage des Konzernabschlusses 2025, spätestens Ende Oktober — sollen die Aktionäre die Mandate bestätigen.
Parallel senkte BayWa die Zustimmungsschwelle für Vorstandsgeschäfte von 200 Millionen auf 50 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat soll früher eingebunden werden. Das ist eine klare Reaktion auf die Kontrolldefizite der Vergangenheit.
Sanierung hängt an zwei Banken
Governance-Reformen allein stabilisieren keine Bilanz. BayWa braucht die Zustimmung von DZ Bank und UniCredit zur Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026. Fällt diese Verlängerung weg, verliert der im Mai 2025 vereinbarte Sanierungsplan seine rechtliche Grundlage.
Als wichtigster Aktivposten im Sanierungsprozess gilt der Verkauf der neuseeländischen Obsthandelstochter T&G Global. Goldman Sachs sucht seit März 2026 einen Käufer für den 74-prozentigen Anteil. T&G vermarktet Apfelmarken wie Envy und Jazz in mehr als 60 Ländern und erzielte 2024 rund 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die Hongkonger Joy Wing Mau Group hält knapp 20 Prozent an T&G und erschwert offenbar eine Mehrheitsübernahme.
Ermittlungen und Klagen
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Der Verdacht: Untreue und falsche Darstellung im Jahresabschluss 2023. Im Januar gab es Hausdurchsuchungen.
Die Tübinger Kanzlei TILP bereitet Schadensersatzklagen für Aktionäre vor, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 BayWa-Aktien kauften. Grundlage ist ein BaFin-Bescheid: Die Behörde rügte, dass BayWa im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit und zu Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe verschwieg. Die Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas hat ein eigenes Verfahren eingeleitet.
Bis Ende 2028 will BayWa den Konzern auf vier Kerngeschäftsfelder konzentrieren, rund 1.300 Stellen abbauen und den Umsatz auf etwa 10 Milliarden Euro zurückfahren. Den testierten Abschluss für 2025 erwartet das Unternehmen erst im vierten Quartal 2026 — bis dahin bleibt die fundamentale Bewertung der Aktie lückenhaft. Der Quartalsbericht für das erste Quartal 2026 erscheint im Mai und liefert den nächsten konkreten Einblick in den Sparkurs.
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