Der Münchener Agrar- und Baustoffkonzern BayWa lässt sich mit der Vorlage seiner Zahlen für 2025 mehr Zeit. Am Montag bestätigte das Unternehmen, dass der geprüfte Jahres- und Konzernabschluss nun erst am 30. Oktober veröffentlicht wird. Als Grund nannte BayWa komplexe Bewertungsfragen, die sich aus den laufenden Sanierungsverhandlungen ergeben.
Die Aktie reagierte am Mittwoch mit einem Kursplus. Das Papier notiert bei 10,35 Euro und legt damit im Tagesvergleich um 2,48 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht für den Titel dennoch ein Minus von 38,39 Prozent zu Buche – die Erholung vom Mittwoch ändert wenig an der grundsätzlich angeschlagenen Kursverfassung.
Sanierungskrimi ohne Schlusspunkt
Wie das FINANCE Magazin heute berichtet, bleibt der Umbau des Konzerns ein „Sanierungskrimi“. Bayerns Genossenschaftspräsident Stefan Müller verteidigt zwar den aktuellen Rettungsplan, lässt aber zentrale Fragen offen: Wie die langfristige Finanzierung am Ende aussieht und wer den vakanten Vorstandsvorsitz übernimmt, ist weiterhin unklar. Bereits am 17. Juli hatte Müller im Handelsblatt-Interview betont, BayWa sei für die süddeutsche Landwirtschaft „systemrelevant“, und sich für eine strategische Konzentration auf die Kernsegmente Agrar, Technik und Baustoffe ausgesprochen.
Operativ zeigt der Konzern erste Fortschritte. Für das erste Quartal 2026 meldete BayWa gestern ein bereinigtes EBITDA, das über den Vorgaben des Sanierungsplans liegt. Der Konzernumsatz sank im gleichen Zeitraum planmäßig auf 2,3 Milliarden Euro, nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahresquartal – Folge der eingeleiteten Portfoliobereinigungen.
Bankenkonsortium und Aktionäre ziehen mit
Grundlage für den verlängerten Sanierungskurs ist eine Grundsatzverständigung, die BayWa am 30. Juni mit dem Bankenkonsortium und den Großaktionären Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG sowie Raiffeisen Agrar Invest AG erzielt hat. Die beiden Großaktionäre übertragen ihre gemeinsamen Anteile von 67,1 Prozent vorübergehend an einen Treuhänder. Teil der angepassten Vereinbarung ist zudem die Umwandlung von Finanzverbindlichkeiten in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro in nachrangige Finanzinstrumente, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sprach in diesem Zusammenhang von einer „zweiten Chance“ durch Gläubigerbanken und Großaktionäre und bestätigte, dass der Sanierungszeitraum offiziell bis 2030 verlängert wurde.
Finanziellen Spielraum für diesen Umbau hatte zuvor bereits der Verkauf der Cefetra Group B.V. geschaffen. Der Deal wurde mit Wirkung zum 25. Februar final abgeschlossen, die Erlöse von über 600 Millionen Euro flossen vollständig in die Tilgung bestehender Bankverbindlichkeiten.
Erneuerbare-Sparte liefert operative Impulse
Auch auf operativer Ebene bewegt sich etwas: Die Tochtergesellschaft BayWa r.e. realisierte am 20. Juli ein Batteriespeichersystem mit 10 Megawattstunden Kapazität für die Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG. Parallel steht Medienberichten zufolge der Verkauf der Mehrheitsanteile an der Ökostromtochter an einen „Transformations-Gesellschafter“ kurz bevor – ein weiterer Baustein zur Schuldentilgung.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Operative Verbesserungen treffen auf eine noch immer ungeklärte Führungsfrage und eine bis Ende Oktober verschobene Bilanzklarheit. Bis dahin dürfte die Aktie volatil bleiben.
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