Der Kurs fällt, der Jahresabschluss fehlt, und der Sanierungsplan wird gerade neu geschrieben. Bei BayWa läuft gerade vieles gleichzeitig schief.
Am Freitag schloss die Aktie bei 10,80 Euro — ein Tagesverlust von 4,00 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 35,52 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 23,90 Euro ist der Kurs mehr als halbiert.
Umsatz bricht ein, EBITDA überraschend stark
Im ersten Quartal 2026 erzielte BayWa einen Konzernumsatz von 2,3 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 3,6 Milliarden Euro. Der Rückgang ist gewollt: Das Unternehmen verkauft Portfolioteile, bereinigt das Produktsortiment und konzentriert sich auf ertragsstärkere Linien.
Das bereinigte EBITDA lag über den Vorgaben des Sanierungsplans und über dem Vorjahreswert. Die Liquidität erreichte laut Unternehmensangaben einen soliden Stand. Kein Kollaps also — aber auch kein Befreiungszeichen für den Kurs.
Standstill bis Herbst, Jahresabschluss offen
Das eigentliche Problem liegt in der Finanzierungsstruktur. BayWa hat mit seinen Banken eine Standstill-Vereinbarung bis Herbst 2026 geschlossen. Anlass: Die Mittelfristplanung der Tochter BayWa r.e. AG musste angepasst werden. Das zwingt den Konzern, das gesamte Sanierungskonzept zu überarbeiten.
Die Folge: Den Jahres- und Konzernabschluss für 2025 kann BayWa nicht fristgerecht veröffentlichen. Das Unternehmen will ihn erst nach Abschluss der Überarbeitung und mit entsprechendem Bestätigungsvermerk vorlegen. Für Investoren bedeutet das: Verlässliche Zahlen über das Q1 hinaus fehlen vorerst.
Operative Gegenwinde verschärfen das Bild
Hinzu kommen externe Belastungen. BayWa nennt ungünstige Witterungsverhältnisse, eine schwache Baukonjunktur und geopolitische Spannungen. Der Irankonflikt verteuert Diesel, Düngemittel und petrochemische Produkte — das trifft Agrar- und Baustoffgeschäft direkt. Außerdem verunsichern Berichte über BayWa r.e. AG Kunden im operativen Geschäft.
Technisch zeigt der Chart keine Stabilisierung. Der Schlusskurs liegt 17,15 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und fast 30 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 36,3 signalisiert Schwäche, aber noch keine Trendwende.
Der nächste Kurstreiber dürfte das überarbeitete Sanierungskonzept sein. Solange es fehlt, bleibt auch der Jahresabschluss 2025 aus — und damit ein wesentlicher Anker für jede Neubewertung der Aktie.
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