Die BayWa AG setzt ihren Kurs der bilanziellen Konsolidierung fort und trennt sich von weiteren Geschäftsbereichen. Wie das Unternehmen und der österreichische Energieversorger EVN mitteilten, übernimmt EVN die Tochtergesellschaft BayWa Mobility Charging (BMC). Trotz dieser strategischen Fortschritte im Sanierungsprozess geriet die Aktie am heutigen Montag unter Druck und verzeichnete eine Tagesveränderung von -7,2 %.
Verkauf der Ladeinfrastruktur an die österreichische EVN
Mit dem Verkauf der BMC stößt die BayWa AG ihr Geschäft mit öffentlicher Schnellladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ab. Laut Angaben von EVN übernimmt der Versorger damit 30 Standorte mit insgesamt 170 öffentlichen HPC-Ladepunkten (High Power Charging). Das Netz der Sparte konzentriert sich primär auf Bayern, verfügt jedoch auch über Standorte in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
Für den Konzern bedeutet dieser Schritt den Ausstieg aus einem kapitalintensiven Wachstumsfeld, um sich auf die Kernbereiche und die Reduzierung der Verbindlichkeiten zu fokussieren. Die Transaktion wurde am vergangenen Mittwoch bekannt gegeben und markiert einen weiteren Baustein in der laufenden Neuausrichtung des Münchner Unternehmens.
Fortschritte bei der bilanziellen Sanierung
Der Verkauf der Mobility-Sparte folgt auf eine Reihe von Desinvestitionen, mit denen das Management die Verschuldung massiv senkt. Bereits am 25. Februar schloss der Konzern den Verkauf der niederländischen Tochter Cefetra erfolgreich ab. Durch die Entkonsolidierung und den Kaufpreiserlös von 125 Millionen Euro konnten die Bankverbindlichkeiten nach Unternehmensangaben um insgesamt über 600 Millionen Euro reduziert werden.
Die operativen Zahlen spiegeln den harten Umbauprozess wider. Wie die BayWa AG am 26. Mai berichtete, belief sich der Konzernumsatz im ersten Quartal 2026 auf 2,3 Milliarden Euro, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum (3,6 Milliarden Euro) entspricht. Dennoch lag das bereinigte EBITDA im Berichtszeitraum über den Vorgaben des Sanierungsplans und über dem Vorjahresniveau, während die Liquidität als solide bezeichnet wurde.
Marktumfeld und Kursentwicklung
Dass das Papier heute bei 8,82 € notiert, führen Marktbeobachter unter anderem auf Verunsicherungen im Umfeld der Marke zurück. In der vergangenen Woche hatten die rechtlich eigenständigen Hellweg-Baumärkte sowie die unter Lizenz geführte Kette BayWa Bau & Garten Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.
Obwohl diese Unternehmen bereits seit dem Jahr 2012 nicht mehr zum Konzern der BayWa AG gehören, sondern als eigenständiges Familienunternehmen agieren, könnten Verwechslungen das Anlegersentiment belasten.
Parallel dazu treiben Wettbewerber die Konsolidierung im Baumarktsektor voran: Am Samstag bestätigten sowohl Bauhaus als auch OBI die Übernahme zahlreicher Standorte des insolventen Lizenznehmers zum 1. Dezember. Für die börsennotierte BayWa AG bleibt die Lage indes herausfordernd.
Mit einem aktuellen Abstand zum 52-Wochen-Hoch von -63 % verdeutlicht der Kurs die Skepsis der Investoren, ob die eingeleiteten Verkäufe ausreichen, um die langfristige Stabilität des Konzerns vollständig wiederherzustellen.
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