Der Münchner Agrarkonzern BayWa braucht mehr Zeit. Zwei Jahre mehr. Und trotzdem zieht die Aktie heute kräftig an — ein Zeichen, dass der Markt die neue Vereinbarung offenbar als konstruktiven Schritt wertet.
Sanierungsziel verschiebt sich auf 2030
Vorstand und Aufsichtsrat haben sich mit den Gläubigerbanken sowie den beiden Großaktionären grundsätzlich auf eine Anpassung der laufenden Sanierung verständigt. Das neue Zieldatum: Ende 2030 statt Ende 2028. Entsprechend sollen die Bankkredite um zwei Jahre verlängert werden, verbunden mit einer Zinsentlastung für das Unternehmen. Bis Herbst 2026 soll daraus eine rechtsverbindliche Vereinbarung entstehen — die Einigung steht noch unter Gremienvorbehalt.
Der Auslöser für die Verschiebung ist die angeschlagene Ökostromtochter BayWa r.e. Die sollte für rund 1,7 Milliarden Euro verkauft werden. Weil r.e. selbst tief in der Krise steckt, rechnen die Beteiligten nun mit einem Erlös, der rund 800 Millionen Euro darunter liegen wird. Das reißt ein gewaltiges Loch in den ursprünglichen Plan, die Schuldenlast bis 2028 um vier Milliarden Euro zu senken.
Banken rücken nach, Aktionäre auch
Die Gläubigerbanken wollen Verbindlichkeiten von bis zu 700 Millionen Euro in ein nachrangiges Finanzierungsinstrument umwandeln. Das stärkt das wirtschaftliche Eigenkapital — bedeutet aber auch: Scheitert die Sanierung erneut, haben andere Gläubiger Vorrang auf diese Forderungen.
Die beiden Großaktionäre — die Beteiligungsgesellschaften der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken sowie österreichischer Genossenschaften — halten zusammen rund 67 Prozent der BayWa-Aktien. Beide sollen ihre Anteile zunächst auf einen Treuhänder übertragen. Nur wenn sie 2029 im Rahmen einer geplanten Kapitalerhöhung mindestens 220 Millionen Euro einschießen, bekommen sie die Papiere zurück. Anderenfalls darf der Treuhänder das Paket verkaufen.
Erbe einer missglückten Expansion
Die aktuelle Krise wurzelt in der kreditfinanzierten Internationalisierung unter dem langjährigen Vorstandschef Klaus Josef Lutz, der das Unternehmen von 2008 bis 2023 führte. Er baute das Erneuerbare-Energien-Geschäft auf, kaufte die niederländische Agrarhandelsgruppe Cefetra und den neuseeländischen Obstproduzenten Turners & Growers. Die Sanierung läuft nun im Kern darauf hinaus, genau dieses Expansionserbe wieder abzuwickeln und BayWa auf sein angestammtes Kerngeschäft im deutschen Agrarhandel zurückzuführen. Lutz selbst hat Verantwortung für das Debakel stets zurückgewiesen.
Obendrein ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen mehrere ehemalige Vorstände — teils wegen des Verdachts einer geschönten Konzernbilanz für 2023, teils wegen möglicher Untreue.
Die Aktie reagierte positiv auf die Grundsatzeinigung: Der Kurs legte heute zeitweise über fünf Prozent zu. Wie belastbar der Aufwärtstrend ist, hängt davon ab, ob bis Herbst tatsächlich eine unterzeichnete Sanierungsvereinbarung vorliegt — und ob BayWa r.e. nicht erneut für negative Überraschungen sorgt.
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