BayWa-Aktionäre erlebten am Freitag eine seltene Erholung: Das Papier schoss um 9,0 Prozent nach oben und schloss bei 8,98 Euro. Auf Wochensicht steht nun ein Plus von 9,2 Prozent zu Buche. Der Kurssprung fällt in eine Phase, in der die Nachrichtenlage rund um die Konzerntochter BayWa Bau- & Gartenmärkte alles andere als eindeutig positiv ist.
Hunderte Jobs bei Hellweg und BayWa-Baumärkten in Gefahr
Bei der Sanierung der insolventen Baumarktkette Hellweg und ihrer BayWa-Tochter drohen in den Unternehmenszentralen in Dortmund und Garching Hunderte Arbeitsplätze wegzufallen.
Medienberichten zufolge soll zwar ein wesentlicher Teil der Filialen an neue Betreiber übergehen, die bisherigen Verwaltungsstandorte würden dabei aber geschlossen. Für die Beschäftigten in den Zentralen bedeutet das absehbar den Verlust ihrer Stellen, während die Ladengeschäfte selbst teils erhalten bleiben könnten.
Der Investorenprozess für die Bau- und Gartenmärkte ist nach aktuellem Stand noch nicht für alle Standorte abgeschlossen. Zu den konkreten Übernehmern einzelner Märkte soll erst in rund zwei Wochen informiert werden. Bis dahin bleibt offen, welche Standorte tatsächlich fortgeführt werden und welche vor der endgültigen Schließung stehen.
Immerhin gibt es für die Beschäftigten kurzfristig eine gewisse Sicherheit: Die Geschäftsführung der BayWa Bau- & Gartenmärkte teilte mit, die Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs sei für die kommenden Monate gesichert.
Die Gehälter sollen auch nach Auslaufen des Insolvenzgeldzeitraums bis einschließlich Ende November 2026 gezahlt werden können. Das verschafft der Belegschaft zumindest einen zeitlichen Puffer, während im Hintergrund über die künftigen Betreiber verhandelt wird.
Agrarlogistik leidet unter Niedrigwasser
Neben der Baumarktsparte belastet auch das operative Kerngeschäft: In der Agrarlogistik erschwerte zuletzt Niedrigwasser auf Main, Donau und Rhein die Transportwege für Getreide, wie eine BayWa-Sprecherin einräumte. Abschließende Erntezahlen für Bayern lagen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor, sodass sich das tatsächliche Ausmaß der Belastung derzeit noch nicht beziffern lässt.
Zusätzlich sorgte ein Bericht der NZZ für Aufsehen, wonach die Beteiligung eines Schweizer Investors an der BayWa-r.e.-Sparte inzwischen nahezu wertlos sei. Diese Einordnung betrifft primär das Investment auf Ebene der Erneuerbaren-Tochter und nicht das operative Geschäft der BayWa AG selbst, verdeutlicht aber, wie stark der Sanierungsdruck im Konzern mittlerweile auf mehreren Ebenen gleichzeitig lastet.
Aktie bleibt trotz Erholung tief im Krisenmodus
Der jüngste Kurssprung darf nicht über die grundsätzliche Lage hinwegtäuschen. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 47 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 57 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 23,90 Euro, erreicht Anfang Dezember, beträgt der Abstand aktuell 62 Prozent. Die Volatilität von 80 Prozent auf 30-Tage-Basis unterstreicht, wie nervös der Markt das Papier derzeit handelt.
Anleger richten den Blick nun auf die für den 30. Oktober angekündigten Jahreszahlen 2025. Bis dahin dürfte die Entwicklung bei Hellweg und den BayWa-Baumärkten ein zentraler Stimmungsfaktor für die Aktie bleiben, ebenso wie die Frage, ob sich die Lage in der Agrarlogistik nach dem Niedrigwasser wieder normalisiert.
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