Ein Name kann ein Vermögen wert sein – oder ihn teuer machen. An diesem Montag bekommt BayWa das in Reinform zu spüren: Die Aktie verliert 3,1 Prozent und rutscht auf 9,38 Euro, nachdem am Wochenende Zentralen-Schließungen und Filialabwicklungen bei „Hellweg und BayWa Bau- & Gartenmärkte“ durch die Medien gingen.
Wer die Meldung nur überfliegt, könnte meinen, der Münchner Agrarhandels- und Energiekonzern selbst stehe vor der Zerschlagung seines Baumarktgeschäfts. Tatsächlich hat die börsennotierte BayWa AG mit diesem Geschäft seit anderthalb Jahrzehnten nichts mehr zu tun.
Ein Lizenzname als Stolperstein
Die Fakten sind eindeutig, aber offenbar nicht jedem geläufig: Die BayWa AG verkaufte ihr Baumarktgeschäft bereits 2011/12 an den Eigentümer der Hellweg-Gruppe, die Familie Semer. Der Betriebsübergang erfolgte im Januar 2012. Seither führt die Kette den Namen BayWa lediglich auf Lizenzbasis weiter – ein Etikett, kein Konzernverhältnis.
Am 27. August eröffnete das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für Hellweg und die BayWa Bau- & Gartenmärkte. Zwei Tage später wurde klar: Von mehr als 110 Filialen finden voraussichtlich 35 einen Käufer, Obi will bis zu zwölf Standorte übernehmen.
Für 79 weitere Märkte gibt es bislang keinen Interessenten, sie sollen bis Ende November schließen, sofern sich das nicht noch ändert. Die Zentralen in Dortmund und Garching mit zusammen 340 Beschäftigten sollen ebenfalls dichtmachen. Für einzelne Standorte wie Murnau fanden sich immerhin schon neue Betreiber.
Das alles ist bitter für die betroffenen rund 1.300 Beschäftigten der BayWa Bau & Garten GmbH & Co. KG. Für die Bilanz der BayWa AG ist es rechtlich irrelevant. Und doch bewegt es den Kurs – ein Lehrstück darüber, wie sensibel Kapitalmärkte auf Schlagzeilen reagieren, die im Kern eine Verwechslungsgefahr transportieren, keine Konzernnachricht.
Ein Konzern, der ohnehin genug eigene Baustellen hat
Man könnte einwenden: Warum sich über eine Fehlwahrnehmung aufregen, wenn der Kurs ohnehin am Boden liegt? BayWa notiert seit Jahresbeginn 44 Prozent im Minus, binnen zwölf Monaten hat sich der Wert mehr als halbiert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 23,90 Euro, erreicht Anfang Dezember, trennen das Papier inzwischen 61 Prozent.
Zum 52-Wochen-Tief bei 7,36 Euro von Mitte August ist dagegen noch etwas Luft, gut ein Viertel. Die Aktie bewegt sich damit in einem Umfeld, in dem jede zusätzliche Verunsicherung überproportional wirkt – selbst wenn sie mit dem eigentlichen Geschäft nichts zu tun hat.
Denn die eigentlichen Baustellen der BayWa AG liegen woanders: im Agrarhandel, in der Energiesparte BayWa r.e. und in der komplexen Sanierungsvereinbarung mit Gläubigern und Großaktionären, die vor gut einem Monat grundsätzlich stand und seither bereits gut 16 Prozent an Kursverlust nach sich zog.
Auch der geplante Verkauf des r.e.-Anteils, aus dem der Vorstand noch bis zu 900 Millionen Euro erlöst sehen will, ist als Kursthema längst verarbeitet – seither ging es um weitere knapp 15 Prozent nach unten. Die Sanierungsfristen für BayWa AG und BayWa r.e. wurden ohnehin schon um jeweils zwei Jahre über 2030 hinaus verlängert.
Fazit einer verzerrten Wahrnehmung
Dass ausgerechnet eine Insolvenz, die formal nicht zum Konzern gehört, den Kurs an einem Montag stärker drückt als manche echte Unternehmensnachricht, zeigt vor allem eines: Wie fragil das Vertrauen in eine Aktie ist, die seit Monaten im Krisenmodus notiert.
Bei einer annualisierten Volatilität von 91 Prozent und einem RSI von gut 50 pendelt das Papier ohnehin zwischen Nervosität und Orientierungslosigkeit. Der Name BayWa trägt derzeit gleich zwei Geschichten – eine davon ist nicht seine eigene. Für Anleger bleibt die Aufgabe, beide sauber zu trennen, so mühsam das im Alltag der Kursreaktionen auch sein mag.
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