BayWa Aktie: 1,7-Milliarden-Deal platzt

BayWa verschärft Sparmaßnahmen mit weiteren Filialschließungen, während der geplante Verkauf der Tochter r.e. scheitert und ein Schuldenschnitt droht.

Auf einen Blick:
  • Weitere Standortschließungen in Bayern
  • Geplanter Verkauf von BayWa r.e. gescheitert
  • Schuldenschnitt von einer Milliarde Euro im Raum
  • Aktienkurs fällt auf Jahrestief

BayWa streicht weiter Filialen, während der Sanierungsplan erneut wackelt. Der Konzern muss Standorte schließen, Vermögenswerte verkaufen und zugleich einen geplatzten Schlüsselbaustein ersetzen. An der Börse kommt das schlecht an. Der Kurs rutscht nahe an sein 52-Wochen-Tief.

Am Freitag schloss die BayWa-Aktie bei 11,75 Euro und verlor 6,37 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von 20,07 Prozent zu Buche — ein klares Signal, dass der Markt der Sanierung derzeit wenig Kredit gibt.

Weitere Einschnitte in Bayern

BayWa zieht sich an weiteren Standorten zurück. In Bayern fallen im Zuge der Sanierung Filialen im Agrar- und Baustoffgeschäft weg. Betroffen ist unter anderem Hersbruck im Nürnberger Land.

Dort endet der Betrieb am 30. September 2026. Die Beschäftigten sollen laut Unternehmenssprecher auf Berg-Meilenhofen und Fürth verteilt werden. Auch der Baustoffstandort Regen soll schließen, ein Termin steht noch nicht fest.

Der Schritt ist kein Einzelfall. Bereits im Vorjahr gab BayWa mehrere bayerische Filialen auf, darunter Scheßlitz, Neu-Ulm, Obertraubling, Kronach und Schwandorf. Weitere Kürzungen sind für das kommende Jahr geplant.

Operativ besser, strukturell weiter eng

Die Quartalszahlen liefern ein gemischtes Bild. BayWa veröffentlichte wegen der laufenden Anpassung des Sanierungskonzepts nur einen eingeschränkten Bericht. Konkrete Ergebniszahlen fehlen.

Der Umsatz sank im Auftaktquartal 2026 auf 2,3 Milliarden Euro nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Portfolioverkäufe lag der Rückgang bei 18,2 Prozent.

Operativ klingt die Lage weniger schwach, als der Umsatzrückgang vermuten lässt. Finanzvorstand Andreas Helber erklärte, das bereinigte EBITDA habe über den Vorgaben des Sanierungsplans und klar über dem Vorjahr gelegen. Auch die Liquidität habe einen soliden Stand erreicht.

Das löst das Kernproblem aber nicht. BayWa braucht nicht nur operative Stabilität, sondern einen tragfähigen Schuldenplan.

BayWa r.e. wird zum Stolperstein

Der bisherige Sanierungsplan hing stark am Verkauf von 51 Prozent an BayWa r.e. Der erwartete Erlös lag bei 1,7 Milliarden Euro, die Standstill-Vereinbarung mit den Banken läuft bis Herbst 2026. Genau dieser Baustein ist nun gescheitert.

Schwächere Marktbedingungen für Wind- und Solarprojekte in Europa und den USA drücken den erzielbaren Preis. Damit fehlt BayWa ein zentraler Beitrag zum Schuldenabbau. Das Konzept muss neu gerechnet werden.

Nach aktuellem Stand reicht das ohne Zugeständnisse der Gläubiger nicht. Im Raum steht ein Schuldenschnitt von rund einer Milliarde Euro.

Wie ernst die Lage eingeschätzt wird, zeigt ein Detail aus dem Bankenumfeld. Die Volks- und Raiffeisenbanken schrieben im Jahresabschluss 2024 ein Schuldscheindarlehen über 220 Millionen Euro um 60 Prozent ab.

Herbst wird zum Belastungstest

Beim Schuldenabbau hat BayWa bisher 1,3 Milliarden Euro gesichert. Das Ziel liegt bei vier Milliarden Euro bis 2028, bislang ist also weniger als ein Drittel erreicht.

Die nächsten Etappen sind klar umrissen: BayWa braucht die Zustimmung der Banken, den Verkauf von T&G und den testierten Jahresabschluss. Letzterer soll erst am 30. Oktober 2026 veröffentlicht werden — ungewöhnlich spät und damit ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor.

Bis dahin bleibt der Konzern in einer engen Kurve. Die Standortschließungen zeigen, dass BayWa Kosten senkt und Strukturen verkleinert. Der eigentliche Hebel liegt aber bei den Gläubigern und den Verkäufen: Ohne neue Einigung bleibt die Sanierung unvollständig.

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