Bayer vor dem 14. September: Wie stark trägt der Ausblick über die Anhörung hinaus?

Symbolbild, KI-generiert

Bayer bestätigt die Jahresziele, vollzieht den Perfuse-Zukauf und setzt auf Crop Science, während die Glyphosat-Anhörung näher rückt.

Auf einen Blick:
  • Fairness-Anhörung am 14. September
  • Perfuse-Übernahme für 2,45 Milliarden
  • Crop Science steigert Ergebnis deutlich
  • Pharma-Ergebnis sinkt um 3,6 Prozent

Ausgangslage

Bayer steht vor einer Woche, in der sich mehrere Erzählstränge bündeln. Am 14. September steht die Fairness-Anhörung zum Glyphosat-Sammelvergleich an, nachdem das Berufungsgericht des Achten Bezirks Einwände gegen die Zuständigkeit des Gerichts in Missouri zurückgewiesen hat.

Der Vergleich mit einem Volumen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über eine Laufzeit von maximal 21 Jahren soll dort seine endgültige Genehmigung erhalten. Bayer selbst äußert sich zuversichtlich, dass die Anhörung diese Hürde nimmt – ein rechtlicher Etappensieg, aber eben nur eine Etappe, kein Abschluss des Verfahrens.

Während der Rechtsstreit die Schlagzeilen dominiert, hat sich operativ zuletzt einiges bewegt. Die im Mai angekündigte Übernahme von Perfuse Therapeutics für bis zu 2,45 Milliarden US-Dollar ist inzwischen vollzogen – der Zukauf der Leitsubstanz PER-001, eines Endothelin-Rezeptor-Antagonisten in Phase II gegen Glaukom und diabetische Retinopathie, gilt als größte Akquisition seit AskBio 2020. Die Aktie notiert nach dem jüngsten Rücksetzer von 1,3 Prozent am Freitag bei 48,84 Euro, knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 48,67 Euro und rund 9,3 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro.

Der Jahresgewinn von 32 Prozent seit Jahresanfang zeigt, dass der Markt die fundamentale Erholung bereits eingepreist hat – die Frage ist, wie belastbar diese Bewertung über den 14. September hinaus bleibt.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor für Anleger ist nicht allein der Ausgang der Anhörung, sondern die Verschuldungsentwicklung im Zusammenspiel mit der operativen Ertragskraft.

Bayer hat mit den Halbjahreszahlen die Jahresprognose 2026 bestätigt: bereinigtes EBITDA zwischen 9,6 und 10,1 Milliarden Euro, Kernergebnis je Aktie zwischen 4,30 und 4,90 Euro. Crop Science lieferte im zweiten Quartal ein bereinigtes Ergebnis mit einem Plus von 30,2 Prozent, während Pharma um 3,6 Prozent zurückfiel.

Diese Diskrepanz zwischen den Sparten macht die Bilanzentwicklung zum eigentlichen Prüfstein: Nur wenn der Glyphosat-Vergleich die Rechtsrisiken tatsächlich eindämmt und die Rückstellungen nicht weiter eskalieren, kann Bayer die Entschuldung im geplanten Tempo vorantreiben.

Bullisches Szenario

Nimmt das Gericht am 14. September den Vergleich final ab, entfällt für Bayer eine der größten Unsicherheiten der vergangenen Jahre. In Kombination mit dem Urteil des US Supreme Court vom Juni, wonach Zulassungsvorgaben der EPA Vorrang vor einzelstaatlichen Warnpflichten haben, würde die Grundlage für Tausende weiterer Klagen wegen fehlender Krebswarnhinweise entfallen. Das operative Bild stützt dieses Szenario: Die Agrarsparte treibt mit neuen Produkten wie dem Insektizid in Kolumbien und dem für 2027 geplanten Sojasaatgut mit fünffacher Herbizidresistenz zusätzliches Wachstum an – Bayer beziffert das Spitzenumsatzpotenzial der neuen Soja-Produkte auf über drei Milliarden US-Dollar jährlich.

Im Pharmabereich lieferte Kerendia mit dem Erfolg der FIND-CKD-Studie bei chronischer Nierenerkrankung einen zusätzlichen Wachstumstreiber, der im New England Journal of Medicine publiziert wurde. Rechtliche Entlastung plus Pipeline-Fortschritt könnten die Neubewertung der Aktie fortschreiben.

Bärisches Risiko

Das Risiko liegt in der Reversibilität des Prozesses. Die Anhörung ist ein Verfahrensschritt, kein rechtskräftiges Urteil – Einwände von Klägern könnten die Genehmigung erneut verzögern oder anfechten, wie es bereits bei der ursprünglich früheren Terminierung geschah.

Zudem bleiben die mit dem Vergleich verbundenen Rückstellungen und Verbindlichkeiten, die bereits von 7,8 auf 11,8 Milliarden Euro gestiegen sind, eine Belastung für die Bilanz. Sollte die Genehmigung scheitern oder sich weiter hinziehen, drohen neue Unsicherheiten über die tatsächliche Höhe der Rechtskosten.

Auf der operativen Seite bleibt die Schwäche der Pharmasparte ein Gegenargument: Ein anhaltender Rückgang würde die Wachstumsstory allein auf Crop Science stützen – eine Abhängigkeit, die im Fall enttäuschender Agrarpreise oder Wetterrisiken schnell zum Belastungsfaktor werden kann.

Ausblick

Solange die rechtliche Entwicklung Richtung finaler Genehmigung läuft und Crop Science seine Wachstumsdynamik hält, dürfte die Aktie ihre Erholung fortsetzen, auch wenn der Abstand zum 52-Wochen-Hoch vorerst bestehen bleibt. Kippt die Anhörung am 14. September oder wird sie erneut vertagt, drohen kurzfristige Rücksetzer, da der Markt einen positiven Ausgang bereits einpreist.

Der nächste konkrete Prüfstein ist damit unmittelbar terminiert: der 14. September als Termin der Fairness-Anhörung. Mittelfristig entscheidet die Entwicklung der Nettofinanzverschuldung darüber, wie viel Spielraum Bayer für weitere Investitionen wie Perfuse Therapeutics behält – und ob die operative Stärke der Agrarsparte reicht, um die Pharma-Schwäche zu kompensieren.

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