Durch eine Vereinbarung mit dem US-Finanzinvestor Apollo sichert sich der Leverkusener Konzern eine Kapitalspritze in Milliardenhöhe. Im Fokus steht dabei das Geschäft mit lang wirkenden Verhütungsmitteln (LARC), an dem Apollo eine Minderheitsbeteiligung erwirbt.
Drei Milliarden Euro für die Bilanzstärkung
Wie das Unternehmen bekannt gab, investieren von Apollo verwaltete Fonds rund 3,0 Milliarden Euro (etwa 3,4 Milliarden US-Dollar) an Eigenkapital in eine neu gegründete Geschäftseinheit für das LARC-Segment. Zu diesem Portfolio gehören Marken wie Mirena, Kyleena, Jaydess/Skyla und Jadelle. Trotz des Einstiegs des Investors behält Bayer die Mehrheitsbeteiligung sowie die vollständige operative Kontrolle über das Geschäft, das weiterhin als Teil der Division Pharmaceuticals voll konsolidiert wird.
Laut CFO Judith Hartmann stellt das Geschäft eine strategische Finanzierungslösung dar, um die Kapitalstruktur des Konzerns zu stärken. Dies verschafft Bayer zusätzliche Flexibilität im Hinblick auf anstehende Fälligkeiten von Anleihen sowie die laufenden Rechtsstreitigkeiten in den USA. Das LARC-Geschäft erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 1,37 Milliarden Euro. Der Abschluss der Transaktion wird nach Erhalt der üblichen kartellrechtlichen Genehmigungen für das dritte Quartal 2026 erwartet. Die Kanzlei Latham & Watkins beriet Apollo bei dieser Transaktion.
Rechtliche Fortschritte im Roundup-Komplex
Zeitgleich zu den finanziellen Maßnahmen treibt Bayer die Beilegung der juristischen Altlasten in den Vereinigten Staaten voran. Laut wallstreetONLINE hat das Unternehmen vor einem US-Bezirksgericht in San Francisco die Abweisung eines gebündelten Bundesverfahrens beantragt, das rund 4.000 Klagen im Zusammenhang mit dem Herbizid Roundup umfasst. Bayer stützt sich dabei auf eine aktuelle Entscheidung des Supreme Court, wonach Ansprüche wegen fehlender Warnhinweise auf Bundesebene durch übergeordnetes Recht eingeschränkt werden könnten.
Richter Vince Chhabria hat eine endgültige Entscheidung über diesen Antrag zunächst vertagt und von den Parteien detailliertere juristische Ausführungen angefordert. Unabhängig von diesem Bundesverfahren sind weiterhin über 60.000 Klagen vor Gerichten der US-Einzelstaaten anhängig. Für diese Fälle steht ein früherer Vergleichsvorschlag in Höhe von 7,25 Milliarden US-Dollar im Raum.
Kursentwicklung und Marktdaten
An der Börse wurde die Nachricht von den Anlegern aufmerksam verfolgt. Der Schlusskurs Freitag lag bei 14,28 USD, was einer Tagesveränderung (Freitag) von -1,11% entspricht. Trotz dieses leichten Rückgangs weist der Wert seit Jahresanfang (YTD) eine positive Entwicklung von 28,76% auf. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet aktuell auf 49,70 Milliarden €.
Technisch gesehen notiert das Papier derzeit komfortabel über längerfristigen Durchschnittswerten. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 10,88 USD beträgt 31,31%. Auch gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt, der bei 11,47 USD liegt, weist der Titel mit 24,54% ein deutliches Polster auf. Das 52-Wochen-Hoch wurde am 02.07.2026 bei 15,23 USD markiert; hiervon ist der Kurs aktuell um -6,24% entfernt. Das 52-Wochen-Tief vom 06.08.2025 lag bei 7,25 USD, womit der Titel seither um 96,97% zulegen konnte. Der Relative-Stärke-Index (RSI 14 Tage) liegt bei 70,7.
Die Kombination aus der Liquiditätsspritze durch Apollo und den Bemühungen um eine gerichtliche Klärung der Glyphosat-Thematik prägt derzeit das Bild für Anleger. Während der Apollo-Deal die Bilanz unmittelbar entlastet, bleibt der weitere Fortgang der US-Rechtsstreitigkeiten der zentrale Faktor für die langfristige Bewertung der Aktie.
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