Der Grünen-Fraktionschef David Marsh brachte den Antrag Ende der vergangenen Woche ein und verweist auf die Einstufung von Glyphosat durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) aus dem Jahr 2015, die den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend“ bezeichnete. Laut Newbury Today ist die Nutzung glyphosathaltiger Herbizide im Vereinigten Königreich seit 1990 um rund 1000 Prozent gestiegen. Der Antrag sieht eine zweijährige Umstellungsphase vor, in der Kommunen auf Alternativen umsteigen sollen.
Milliardenschwere Vergleichszahlungen im Fokus
Im Zusammenhang mit der Debatte verweist Newbury Today auf die juristische Historie des Konzerns: Bayer hat nach eigenen Angaben mehr als 10 Milliarden US-Dollar an über 100.000 Kläger gezahlt, die dem Unternehmen einen Zusammenhang zwischen glyphosathaltigen Produkten und Non-Hodgkin-Lymphomen vorwerfen. Diese Zahlungen bleiben ein zentraler Belastungsfaktor für die Wahrnehmung des Konzerns an den Kapitalmärkten, auch wenn der aktuelle Kommunalantrag in Berkshire zunächst nur lokale Bedeutung hat und über den Ausgang der Abstimmung noch keine Entscheidung vorliegt.
Vorwurf zu Chemikalienlieferungen im Libanon
Parallel dazu kursiert ein weiterer, deutlich schwerer wiegender Vorwurf. Nach Recherchen von IMI-online besteht der Verdacht, dass Monsanto, eine Bayer-Tochter, Phosphor geliefert haben soll, der im Zusammenhang mit israelischen Chemiewaffeneinsätzen im Libanon steht. Der Bericht datiert vom 15. Juli 2026 und stellt den Sachverhalt ausdrücklich als ungeklärten Verdacht dar, nicht als erwiesenen Vorgang. Eine Stellungnahme des Konzerns zu dieser konkreten Anschuldigung liegt in den vorliegenden Berichten nicht vor. Sollte sich der Vorwurf erhärten, dürfte er zusätzlichen regulatorischen und reputativen Druck auf den ohnehin von Rechtsstreitigkeiten geprägten Konzern erzeugen.
Kursbild bleibt trotz Rücksetzer robust
An der Börse hat die Bayer-Aktie zuletzt etwas an Schwung verloren. Der Kurs notierte zum Schlusskurs am Freitag bei 48,06 Euro und damit binnen sieben Tagen 3,40 Prozent leichter. Der Rücksetzer relativiert sich allerdings im längerfristigen Bild: Zum 52-Wochen-Hoch von Anfang Juli beträgt der Abstand noch 10,77 Prozent, was angesichts der zuletzt kräftigen Kursgewinne der vergangenen Monate als moderate Verschnaufpause gelesen werden kann. Die neuerlichen Schlagzeilen rund um Glyphosat und den Libanon-Vorwurf liefern jedoch eine mögliche Erklärung dafür, warum Anleger nach der starken Rally zuletzt vorsichtiger agierten.
Regulatorischer Gegenwind bleibt Dauerthema
Für Anleger bleibt der juristische und regulatorische Gegenwind rund um Glyphosat damit ein Dauerthema, das sich nicht auf einzelne Gerichtsverfahren beschränkt, sondern zunehmend auch kommunalpolitische Initiativen wie in West Berkshire erfasst. Ob aus dem britischen Antrag ein tatsächliches Verbot wird, ist offen – ebenso, wie sich der Verdacht zu den Phosphorlieferungen im Libanon weiterentwickelt. Beide Stränge dürften jedoch in den kommenden Wochen weiter beobachtet werden, da sie potenziell zusätzliche Rechts- und Reputationsrisiken für den Konzern bergen, die über die bereits gezahlten Glyphosat-Vergleiche hinausgehen.
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