Bayer-Aktie: Was kommt da auf sie zu?

Die Aktie von Bayer verteidigt ihr Kursniveau nach einem wegweisenden Glyphosat-Urteil bislang. Doch hält der Optimismus? Die Analysten sind uneins.

Auf einen Blick:
  • Nach dem wegweisenden Urteil im Fall Durnell bleibt die Bayer-Aktie im Flow
  • Der Supreme Court hatte in der Vorwoche im Sinne der Leverkusener entschieden
  • Doch trägt der wichtige Sieg im Rechtstreit um Glyphosat die Papiere auf Dauer?
  • Die Meinungen der Analysten gehen auseinander, die Prognosen ebenfalls

Liebe Leserin, lieber Leser,

37,05 Euro war die Aktie des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer vor einer Woche im Xetra-Handel noch Wert. Es wirkt wie aus einer anderen Welt. Denn nach einem wegweisenden Urteil des Supreme Court der USA im so genannten Durnell-Fall zugunsten der Leverkusener, machten die Papiere am Donnerstag einen mächtigen Satz nach oben – und verteidigten die hohe Bewertung bislang. Bei rund 47 Euro wird die Bayer-Aktie am Montagvormittag gehandelt. Doch offenbar weiß niemand so genau, was in naher Zukunft auf sie zukommt.

Bayer AG Aktie Chart

Was bedeutet das Urteil für Bayer?

Dass die Gerichtsentscheidung für Bayer positiv zu werten ist, daran haben die institutionellen Beobachter keinen Zweifel. Im milliardenschweren US-Rechtsstreit um mutmaßliche Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Glyphosat hat der Konzern einen entscheidenden Sieg vor dem Obersten Gerichtshof der USA errungen. Die Richter urteilten laut Medienberichten, dass Bayer nicht wegen angeblich fehlender Krebs-Warnhinweise auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden kann.

Doch welchen Einfluss hat das auf die künftige Kursentwicklung für die Aktie von Bayer? Die Prognosen, die laut finanzen.net seit Donnerstag abgegeben wurden, gehen deutlich auseinander, wie folgende Auflistung zeigt:

  • UBS: 52,00 EUR, +10,15%
  • Barclays: 50,00 EUR, +5,91%
  • Jefferies: 46,00 EUR, -2,56%
  • Goldman Sachs: 55,00 EUR, +16,50%

Jeffries rechnet mit Kurskorrektur

So hatte das Analysehaus Jefferies das Kursziel für Bayer lediglich von 40 auf 46 Euro angehoben, die Einstufung auf „Hold“ belassen – und rechnet mit einer Korrektur. Die Entscheidung des Supreme Court im Durnell-Fall zugunsten von Bayer limitiere die Glyphosat-Rechtsrisiken, schrieb Michael Leuchten am Donnerstagabend.

Das Votum der Richter sei mit 7 zu 2 „eindeutiger als gedacht gewesen“. Sie hätten entschieden, dass Bayer nicht für fehlende Warnhinweise auf dem Produkt haftbar gemacht werden könne, wenn die US-Umweltschutzbehörde (EPA) diese gar nicht verlange. Auf den parallel laufenden Vergleich habe die Entscheidung wohl allerdings kaum Einfluss, mahnt Leuchten.

DZ-Bank hob Bayer-Kursziel auf 56 Euro

Am anderen Ende positionierte sich Peter Spengler von der DZ Bank: Er hat den fairen Wert für die Aktie von Bayer von ohnehin ambitionierten 51 auf 54 Euro angehoben und die Einstufung folglich auf „Kaufen“ belassen. Der Analyst bezeichnete das Urteil des obersten US-Gerichtshofs im  Durnell-Fall als „fundamentalen Befreiungsschlag“.

  • Der historische 7:2-Sieg blockiere die Fortführung von Glyphosat-Warnhinweisklagen
  • Dies beende nachhaltig den „chronischen Monsanto-Abschlag“, schrieb er am Freitag

Doch ausgestanden ist die Sache für den Chemieriesen beileibe nicht. Die Entscheidung des Supreme Court der USA im Durnell-Fall zugunsten von Bayer reduziere die immensen Glyphosat-Rechtsrisiken enorm, schrieb Charles Pitman-King von der britischen Investmentbank Barclays. Nun seien jedoch „alle Augen auf den parallel laufenden Vergleich gerichtet“. Viele Anleger wollten das Thema erst endgültig vom Tisch haben, bevor sie wieder in Bayer investieren, so seine Einschätzung.

Klagen gegen Bayer die „Grundlage entzogen“

Das Oberste Gericht berief sich in seinem Urteil laut tagesschau.de darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen vorgeschrieben seien – damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben. „Vielen Klagen im Zusammenhang mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden“, so der Bericht.

Bayer hatte den Fall des Klägers John Durnell für den Gang vor den obersten US-Gerichtshof ausgewählt, um ein Grundsatzurteil zu erzielen. Der Fall war demnach ursprünglich im Oktober 2023 in St. Louis verhandelt worden. „Die Geschworenen kamen damals zu dem Schluss, dass das Unternehmen zu einer Krebswarnung auf dem Unkrautvernichter Roundup verpflichtet gewesen sei, und sprachen dem Kläger 1,25 Millionen Dollar zu“, heißt es. Das Urteil des Supreme Court war daher nicht unbedingt so zu erwarten. 

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