Bei Bayer stehen positive Erwartungen an das Pharmageschäft neben Projekten, deren klinische oder regulatorische Prüfung noch läuft. Die gestern bestätigte Kaufempfehlung von UBS unterstreicht diesen Unterschied: Sie verweist auf die Geschäftsdynamik. Die Fortschritte bei Vividion und Finerenon betreffen dagegen Entwicklung und Zulassungsverfahren. Für Anleger sind das unterschiedliche Ebenen, die sich nicht gleichsetzen lassen.
Kaufempfehlung mit breiterer Begründung
Medienberichten zufolge beließ UBS Bayer gestern bei „Buy“ und einem Kursziel von 62 Euro. Analyst Matthew Weston verwies auf anhaltende Dynamik im Pharmageschäft. Zugleich bezeichnete er die Trends in der Agrarsparte für 2026 und 2027 als intakt.
Damit stützt sich die positive Einschätzung nicht allein auf einzelne Arzneimittelkandidaten. Weston bezieht auch das Agrargeschäft ein. Seine Begründung verbindet somit die Einschätzung beider Geschäftsbereiche, während die jüngsten Pharmameldungen jeweils konkrete Entwicklungsschritte betreffen.
Die Bestätigung erfolgte vor den für den 3. November erwarteten Quartalszahlen. Die Aussagen zu den Geschäftstrends bleiben dabei eine Analysteneinschätzung und sind keine bereits veröffentlichten Ergebnisse.
Vividion untersucht eine Erstlinienbehandlung
Die hundertprozentige und eigenständig operierende Bayer-Tochter Vividion Therapeutics startete gestern eine globale Phase-II-Studie. Sie untersucht das Prüfpräparat VVD-214 in Kombination mit Pembrolizumab als Erstlinienbehandlung bei fortgeschrittenem MSI-hohem oder dMMR-Darmkrebs. Der erste Patient wurde behandelt.
Nach Angaben von Bayer soll die Studie etwa 140 Patienten an Standorten in rund 21 Ländern einschließen. Diese Angaben beschreiben den geplanten Umfang der Untersuchung. Sie sind kein Wirksamkeitsnachweis für die Kombination.
Der Schritt ist deshalb als Fortschritt in der klinischen Entwicklung einzuordnen. Die Behandlung eines ersten Patienten markiert den Beginn der Untersuchung, nicht deren erfolgreichen Abschluss. Für die Bewertung des Projekts bleibt diese Abgrenzung wesentlich.
Finerenon im regulatorischen Verfahren
Bei Finerenon, auch unter dem Namen Kerendia geführt, geht es dagegen um einen ergänzenden Zulassungsantrag. Bayer zufolge hat die US-Arzneimittelbehörde FDA diesen für die Behandlung chronischer Nierenerkrankung bei Erwachsenen ohne Diabetes angenommen.
Die Annahme ist ausdrücklich keine Zulassung. Auch hier liegt die Anlegerrelevanz im erreichten Verfahrensschritt und nicht in einer bereits erteilten Genehmigung.
Das Gesamtbild verbindet damit eine positive Geschäftseinschätzung mit Fortschritten auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Weder der Studienstart noch die Antragsannahme ersetzen den jeweils noch ausstehenden klinischen beziehungsweise regulatorischen Nachweis. Genau diese Trennung ist für die Einordnung der Pharmachancen entscheidend.
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