Bayer Aktie: Supreme-Court-Urteil im Juni erwartet

Der Supreme Court entscheidet im Juni über einen zentralen Glyphosat-Fall. Positive Pharma-Zahlen stehen im Schatten der Rechtsrisiken.

Auf einen Blick:
  • Supreme Court prüft Glyphosat-Fall Durnell
  • Vergleichsprozess für über 60.000 Kläger läuft
  • Pharmasparte übertrifft Erwartungen im ersten Quartal
  • Aktie notiert unter kurzfristigen Durchschnittslinien

Bayer steht vor einem Monat, der den Ton für die Aktie neu setzen kann. Operativ liefert die Pharmasparte wieder Argumente. An der Börse zählt aber vor allem ein anderes Thema: Glyphosat.

Der Kurs spiegelt diese Schieflage klar wider. Die Bayer-Aktie schloss am Donnerstag bei 35,39 Euro, verlor auf Monatssicht 8,13 Prozent und liegt rund 29 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Glyphosat bleibt der Kurstreiber

Im Zentrum steht der Roundup-Fall Durnell vor dem US Supreme Court. Der Oberste Gerichtshof hat den Fall zur Prüfung angenommen. Eine inhaltliche Entscheidung wird noch im Juni erwartet.

Für Bayer geht es um mehr als einen einzelnen Prozess. Der Kern der Auseinandersetzung lautet: Dürfen Kläger fehlende Warnhinweise zu Glyphosat geltend machen, obwohl die US-Umweltbehörde EPA das Mittel bewertet hat? JPMorgan-Analyst Richard Vosser sieht in dem Urteil Signalwirkung für rund 80 Prozent der anhängigen Glyphosat-Verfahren.

Parallel läuft der Vergleichsprozess in den USA in seine Schlussphase. Bayer will mehr als 60.000 Kläger in einen Vergleich einbinden, der bis zu 7,25 Milliarden Dollar kosten kann. Wichtig für den Konzern ist eine nahezu vollständige Teilnahme.

Ganz glatt läuft der Prozess nicht. Ein US-Bundesrichtergremium hat den geplanten Sammelvergleich vorläufig von einem Gericht in Missouri an ein Bundesgericht in San Francisco verwiesen. Bayer betont, dass dies keine endgültige Entscheidung ist.

Hinzu kommt Druck aus Brasilien. Dort haben Anwälte eine Klage eingereicht, die ein vollständiges Glyphosat-Verbot erreichen soll. Ein Erfolg könnte den Rechtskomplex regional ausweiten und Bayer zusätzlich belasten.

Pharma liefert das Gegenbild

Abseits der Gerichtssäle zeigt Bayer Fortschritte. Die Pharmasparte legte im ersten Quartal 2026 stärker zu, Nubeqa und Kerendia federn den Patentverlust von Xarelto ab. Das Core-EPS übertraf die Erwartungen deutlich.

Strategisch steht der Konzern mitten in einem Produktwechsel. Bayer setzt auf fünf Medikamente mit Blockbuster-Potenzial: Nubeqa, Kerendia, Beyonttra, Lynkuet und Asundexian. Diese Pipeline soll die Abhängigkeit von älteren Umsatzträgern schrittweise senken.

Besonders Kerendia bleibt wichtig. Die FDA hat einen Antrag auf Zulassungserweiterung angenommen und ein beschleunigtes Prüfverfahren gewährt. In China erhielt Bayer bereits eine weitere Zulassung für die Behandlung von Erwachsenen mit Herzinsuffizienz.

Auch Asundexian bleibt ein Hoffnungsträger. Die US-Zulassung wird gegen Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres erwartet. Europa soll im kommenden Jahr folgen.

Chart zeigt Misstrauen

Trotz dieser operativen Fortschritte bleibt der Markt vorsichtig. Die Aktie notiert unter der kurzfristigen Durchschnittslinie und nur knapp unter der langfristigen Linie; der RSI von 39 spricht eher für anhaltenden Druck als für Überhitzung.

Damit ist die Lage klar umrissen. Die Pharmaentwicklung verbessert die mittelfristige Ertragsstory, sie reicht aber aktuell nicht aus, um die Glyphosat-Risiken zu überdecken. Kein Wunder, dass der Markt auf juristische Klarheit wartet.

Bis zur erwarteten Supreme-Court-Entscheidung im Juni dürfte Bayer vor allem von Nachrichten aus den USA bewegt werden. Ein günstiges Urteil könnte den Bewertungsabschlag verkleinern. Eine ungünstige Entscheidung würde den Rechtsstreit weiter zum dominierenden Thema der Aktie machen.

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