Bei Bayer rückt die Klärung der langwierigen Rechtsstreitigkeiten in eine entscheidende Phase. Nach der Anhörung zum Roundup-Vergleich am vergangenen Montag richten sich die Blicke am Kapitalmarkt auf das anstehende Urteil.
Medienberichten zufolge wird die gerichtliche Entscheidung über die Genehmigung des Massenvergleichs frühestens Ende September, voraussichtlich aber im Laufe des Oktobers erwartet. Für den Leverkusener Konzern steht dabei viel auf dem Spiel: Die Einigung sieht Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar vor, die über einen Zeitraum von 21 Jahren gestreckt werden sollen.
Die Aktie notiert bei 48,84 Euro und hat seit Jahresanfang um 32 Prozent zugelegt. Damit liegt der Wert noch rund 9,3 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro. Eine rechtskräftige Genehmigung des Vergleichs würde dem DAX-Konzern nach jahrelanger Unsicherheit planbare finanzielle Rahmenbedingungen verschaffen.
Bilanzielle Entlastung und stabile Halbjahreszahlen
Parallel zu den juristischen Verhandlungen hat das Management die finanzielle Basis des Unternehmens neu geordnet. Unter der Leitung von Finanzvorständin Judith Hartmann, die das Amt zum 1. Juni übernahm, korrigierte Bayer die Erwartungen für die Nettofinanzverschuldung im laufenden Jahr nach unten.
Der Konzern rechnet für 2026 nun mit Verbindlichkeiten zwischen 29 und 30 Milliarden Euro, nachdem zuvor 32 bis 33 Milliarden Euro veranschlagt worden waren.
Maßgeblich für diese Reduzierung ist die Partnerschaft mit dem Finanzinvestor Apollo, der 3,0 Milliarden Euro in eine Tochtergesellschaft für das Geschäft mit lang wirkenden Verhütungsmitteln einbringt. Bayer behält an dieser Einheit weiterhin die Anteilsmehrheit und die operative Kontrolle.
Auch operativ zeigte sich das Geschäft im ersten Halbjahr 2026 widerstandsfähig. Der währungs- und portfoliobereinigte Gruppenumsatz stieg um 3,3 Prozent auf 24,277 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA vor Sondereinflüssen) kletterte um 6,6 Prozent auf 6,597 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen seine Ziele: Bayer peilt weiterhin ein bereinigtes EBITDA zwischen 9,6 und 10,1 Milliarden Euro an.
Gezielter Ausbau der Pharma-Pipeline
Trotz des Fokus auf Schuldenabbau und Altlasten investiert der Konzern weiter in das Wachstum. Zur Stärkung der ophthalmologischen Entwicklungspipeline übernahm Bayer das Biopharma-Unternehmen Perfuse Therapeutics.
Bayer geht damit mit gestärkter Liquidität und stabiler operativer Marge in den Herbst. Die kommenden Wochen bis zur Entscheidung des US-Gerichts dürften zeigen, ob der Konzern das größte juristische Risiko der vergangenen Jahre endgültig berechenbar machen kann.
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