Bayer meldet gleich zwei operative Fortschritte an einem Tag: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Lungenkrebs-Präparat Hyrnuo (Wirkstoff Sevabertinib) heute die Zulassung als Erstlinientherapie erteilt.
Parallel hat der Konzern mit dem finnischen Energieunternehmen Neste eine kommerzielle Vereinbarung zur Skalierung von Winter-Canola als Biofuel-Rohstoff in den USA geschlossen. Beide Nachrichten unterstreichen, dass Bayer neben der viel diskutierten Agrarsparte auch im Pharmageschäft und bei nachhaltigen Rohstoffen Boden gutmacht.
FDA öffnet Hyrnuo für breitere Patientengruppe
Hyrnuo darf künftig bereits bei Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt werden, ohne dass zuvor eine andere Systemtherapie erfolgt sein muss. Bislang war das Mittel in den USA seit November 2025 nur nach vorheriger Behandlung zugelassen.
Grundlage der beschleunigten Zulassung ist die Phase-I/II-Studie SOHO-01, in der die Gesamtansprechrate bei 75 Prozent lag – sechs Prozent Komplett-, 70 Prozent Teilremission. Bei 73 Prozent der Patienten hielt das Ansprechen mindestens sechs Monate an. Eine weiterführende Phase-III-Studie namens SOHO-02 läuft bereits.
Für Bayer ist die Erweiterung strategisch relevant: Die Erstlinien-Indikation vergrößert die adressierbare Patientenpopulation deutlich, da die meisten Betroffenen bislang erst nach dem Scheitern anderer Therapien Zugang zu Sevabertinib hatten. Die Onkologie-Sparte gilt im Konzern als Wachstumsfeld jenseits des margenstarken, aber zyklischen Agrargeschäfts.
Neste-Partnerschaft zielt auf wachsenden Biokraftstoffmarkt
Mit Neste hat Bayer eine kommerzielle Vereinbarung finalisiert, um die Hybridsorte „newgold“ Winter-Canola in den Southern Great Plains der USA hochzuskalieren.
Die Pflanze soll als Rohstoff für erneuerbaren Diesel und nachhaltigen Flugkraftstoff dienen. Nach Prognosen von Bayer, der US-Energiebehörde EIA und McKinsey soll sich die globale Biokraftstoff-Nachfrage bis 2040 auf rund 40 Milliarden Gallonen nahezu verdreifachen.
Die newgold-Hybriden sollen im Herbst 2027 auf den Markt kommen und neben Winterhärte auch die Bayer-eigene Technologie TruFlex sowie Resistenz gegen Schotenplatzen mitbringen. Als Nebenprodukt fällt zudem proteinreiches Futtermittel für Milch-, Rind-, Geflügel- und Schweinehaltung an.
Analysten bleiben bei Kursziel 60 Euro
Die Nachrichtenlage trifft auf ein positives Analystenurteil: Deutsche Bank Research bestätigte heute die Einstufung „Buy“ für Bayer mit einem unveränderten Kursziel von 60 Euro.
Analystin Virginie Boucher-Ferte verweist auf eine Investorenveranstaltung, auf der Bayer die Fünfjahresziele für die Agrarsparte Crop Science zwar nicht neu, aber deutlich detaillierter erläutert habe. Als Hauptrisiko benennt sie weiterhin den zyklischen Charakter des Agrarchemiegeschäfts, andere Risikofaktoren hätten sich aus ihrer Sicht weitgehend aufgelöst.
Die Bayer-Aktie notiert am heutigen Donnerstag bei 48,46 Euro und damit 1,2 Prozent leichter als am Vortag. Damit bleibt das Papier knapp unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 48,67 Euro, was auf eine derzeit fehlende kurzfristige Dynamik hindeutet.
Die operativen Fortschritte bei Pharma und Biofuel liefern jedoch Argumente, die über die kurzfristige Kursbewegung hinausreichen und die mittelfristige Diversifizierung des Konzerns jenseits der Agrarchemie stützen.
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