Zwei gewonnene Prozesse in den USA lösen bei Bayer eine Neubewertung aus. Die Berenberg Bank hebt ihr Kursziel für die Aktie massiv an – von 40,50 Euro auf 55,00 Euro. Die Einstufung bleibt trotzdem bei „Hold“.
Glyphosat-Prozesse öffnen neue Optionen
Analyst Sebastian Bray sieht in zwei juristischen Erfolgen den eigentlichen Auslöser der Neubewertung. Im sogenannten Durnell-Fall gewann Bayer. Zusätzlich verwies ein Gericht einen Fall nach Missouri zurück.
Beide Entwicklungen könnten laut Bray den Weg für eine Aufspaltung des Konzerns ebnen. Konkret bringt der Analyst einen Teil-Börsengang des Agrargeschäfts „New Monsanto“ ins Spiel. Das Ziel: Bayer würde den Konglomeratsabschlag senken und Werte für Aktionäre freisetzen.
Pharma-Sparte trifft auf neue Belastung
Während die Agrarsparte Rückenwind bekommt, bremst die Politik die Pharma-Division aus. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller warnte am 7. Juli vor einem aktuellen Kabinettsentwurf. Die Branche soll zwischen 2027 und 2030 zusätzliche Lasten von insgesamt 19,2 Milliarden Euro tragen.
Der Herstellerabschlag soll 2027 auf 15,5 Prozent steigen. Das belastet den Investitionsstandort Deutschland zusätzlich. Eli Lilly und Boehringer Ingelheim meldeten bereits im Juni Verzögerungen bei geplanten Milliardeninvestitionen. Die Verabschiedung des Gesetzes erwarten Beobachter für Freitag, den 10. Juli 2026.
Aktie im überkauften Bereich
Bayer schloss gestern bei 50,50 Euro. Auf Monatssicht steht ein Plus von 41,93 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 32,81 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Kurs mit einem Plus von 86,52 Prozent nahezu verdoppelt.
Der Titel notiert damit nur noch 6,24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, erreicht am 3. Juli. Zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand bereits 28,34 Prozent. Der RSI von 73,0 signalisiert eine überkaufte Aktie – das dürfte den vorsichtigen Berenberg-Analysten trotz höherem Kursziel bei „Hold“ gehalten haben.
Der starke Lauf fällt zusätzlich in ein Umfeld der Sektor-Rotation. Technologiewerte im DAX gerieten zuletzt unter Druck, ausgelöst durch enttäuschende Reaktionen auf Rekordzahlen von Samsung Electronics. Kapital floss stattdessen in defensive Substanzwerte wie Bayer.
Zwei Termine bestimmen jetzt die kurzfristige Richtung. Am 10. Juli entscheidet sich, wie hart das Pharma-Sparpaket die Gewinnmargen der Gesundheitssparte trifft. Parallel bleibt die strategische Ausrichtung unter CEO Bill Anderson im Blick – vor allem die Frage, ob ein Teil-Börsengang der Agrarsparte tatsächlich kommt.
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