Bayer sucht nach den Belastungen der vergangenen Wochen neue Wachstumsimpulse abseits der juristischen Dauerbaustelle Roundup. Im Fokus steht dabei die frisch geschlossene kommerzielle Vereinbarung mit dem finnischen Konzern Neste Oyj, die das Geschäft mit Biokraftstoffen auf eine neue Grundlage stellen soll.
Newgold Winter Canola als gemeinsames Projekt
Kern der Kooperation ist Newgold Winter Canola, eine Rapssorte, die Bayer und Neste gemeinsam für den Einsatz in Biokraftstoffen skalieren wollen. Für Bayer passt das Vorhaben in die strategische Ausrichtung der Agrarsparte, die sich zuletzt verstärkt auf neue Produkteinführungen und margenstarke Nischen konzentriert.
Details zu Volumina oder Umsatzzielen der Partnerschaft nannte das Unternehmen bislang nicht, die Botschaft an den Markt ist dennoch eindeutig: Bayer sucht Wachstumsfelder jenseits der klassischen Pestizid- und Saatgutgeschäfte.
Parallel dazu treibt Bayer die pharmazeutische Pipeline voran. Am Mittwoch startete das Unternehmen eine Phase-II-Studie mit einem investigativen GIRK4-Inhibitor bei Patienten mit Vorhofflimmern – ein weiterer Baustein im Bemühen, die Onkologie- und Kardiologie-Pipeline zu verbreitern.
Die FDA-Zulassung für Hyrnuo bei bestimmten Lungenkrebspatienten, die bereits am vergangenen Donnerstag für Aufsehen sorgte, bleibt dabei der prominenteste Meilenstein der jüngeren Vergangenheit.
Analysten bleiben trotz Unsicherheit optimistisch
Auf der Analystenseite gab es zuletzt ermutigende Signale. Barclays hob am 8. September das Kursziel für Bayer auf 70 Euro an und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Zwei Tage später zog die Deutsche Bank nach, bekräftigte das Rating „Buy“ und nannte ein Kursziel von 60 Euro. Beide Häuser signalisieren damit deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau.
Am Markt zeigt sich die Aktie davon bislang unbeeindruckt: Am Freitag schloss das Papier bei 48,19 Euro, ein Minus von 0,6 Prozent. Über die vergangenen sieben Handelstage summierte sich der Rückgang auf 1,3 Prozent. Die verhaltene Kursreaktion trotz positiver Analystenstimmen deutet darauf hin, dass Anleger weiterhin vorsichtig bleiben, solange die rechtlichen Risiken rund um Roundup nicht endgültig geklärt sind.
Strategischer Umbau als Langfrist-Wette
Die Neste-Kooperation und die Pharma-Fortschritte fügen sich in ein größeres Bild: Bayer versucht, das Geschäftsmodell breiter aufzustellen und weniger abhängig von einzelnen Rechtsstreitigkeiten zu machen. Die Agrarsparte hatte bereits Anfang September auf ihrem Investorentag Fortschritte bei der sogenannten Zehn-Blockbuster-Strategie präsentiert, mit Plenexos und dem Preceon Smart Corn System als bereits vermarkteten Produkten.
Ob die neue Partnerschaft mit Neste tatsächlich zum erhofften Wachstumstreiber wird, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich Newgold Winter Canola in der Praxis skalieren lässt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite stehen ermutigende Kursziele von Barclays und Deutsche Bank, auf der anderen die ungelöste Frage, wie sich die Rechtsrisiken aus dem Roundup-Komplex langfristig auf die Bilanz auswirken.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die operativen Fortschritte in Agrar- und Pharmageschäft ausreichen, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückzugewinnen.
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