Liebe Leserin, lieber Leser,
nach einer kurzen Erholung auf bis zu 45,83 Euro im Xetra-Handel in der vergangenen Woche, ist die Aktie von Bayer inzwischen wieder auf 43,40 Euro zurückgefallen. Zur Erinnerung: Ende September waren die Papiere des Pharma- und Agrarchemiekonzerns bei mehr als 50 Euro gehandelt worden. Dass sich die Bayer-Aktie aktuell so schwertut, kann an den Analysten kaum liegen, sie riefen zuletzt hohe Kursziele auf. Doch die Leverkusener warten noch immer auf die endgültige Genehmigung eines milliardenschweren Vergleichs, um rund 67.000 Glyophosat-Klagen in den USA beizulegen. Eine gute Nachricht kommt nun ausgerechnet bezüglich des Unkrautvernichters – aus Deutschland.
Bahn setzt wieder auf Bayers Glyphosat
Denn laut übereinstimmender Medienberichte hat die Deutsche Bahn eine Kehrtwende vollzogen – und rückt von ihrem Verzicht auf Glyphosat ab. Sie wolle den umstrittenen Unkrautvernichter von kommendem Frühjahr an wieder nutzen, meldet etwa das Handelsblatt. Um Gleise, Weichen und Signale wirksam von Pflanzenbewuchs freizuhalten, setze man Glyphosat dann in begrenztem Umfang wieder ein, teilte demnach eine Sprecherin der Bahntochter InfraGo auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Begründung: „Die Wirksamkeit des alternativ eingesetzten Herbizids Pelargonsäure ist ungenügend.“
Für Bayer zweifellos ein Erfolg. Die Bahn hatte den Glyphosat-Einsatz 2023 einst eingestellt. Unkraut an Bahntrassen solle stattdessen mit Mähmaschinen und der umweltschonenden Pelargonsäure beseitigt werden, wie es damals hieß.
- Noch 2017 hatte die Bahn 67 Tonnen Glyphosat eingesetzt
- 2019 kündigte sie dann an, den Einsatz deutlich zu reduzieren
Antrag beim Eisenbahn-Bundesamt gestellt
Die InfraGo habe nun Anträge zur Glyphosat-Nutzung beim Eisenbahn-Bundesamt gestellt, heißt es bei der Bayerischen Staatszeitung. Dieses erteile jährlich Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Gleisen. Zurzeit sei es rechtlich zulässig, Glyphosat auf etwa einem Drittel des Netzes einzusetzen. Umweltschützer aber kritisierten seit langem den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft und fordern ein Verbot des Mittels.
„Die InfraGo-Sprecherin verwies darauf, dass auch die Bahnen in Nachbarländern wie der Schweiz, den Niederlanden oder Polen Glyphosat zur Vegetationskontrolle nutzten“, so der Bericht. Man sei gesetzlich dazu verpflichtet, einen sicheren Betrieb der Eisenbahninfrastruktur zu gewährleisten.
Bayer wartet auf Vergleichs-Genehmigung
Derweil wartet Bayer noch immer auf die Genehmigung eines Vergleichs im Rechtsstreit um mutmaßliche Krebsrisiken seines Unkrautvernichters in den USA. Die US-Tochter Monsanto hatte sich im Februar auf eine langfristige Vereinbarung geeinigt, um sowohl anhängige als auch mögliche künftige Klagen beizulegen, wie Bayer damals mitteilte. Der Vergleich sieht Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von maximal 21 Jahren vor.
Der Richter in Missouri hatte der Einigung bereits vorläufig zugestimmt. Für den 14. September war dort eine Anhörung zur endgültigen Genehmigung angesetzt. Der Anwalt der Kläger kündigte aber an, den Vergleich weiter bekämpfen zu wollen. Bis heute ist kein endgültiges Urteil gesprochen worden.
Hohe Kursziele für Bayer-Aktie
Diese Unsicherheit hinderte die Analysten zuletzt nicht daran, die Bayer-Aktie zum Kauf zu empfehlen. Ein Überblick von finanzen.net mit den Kurszielen aus September und Oktober:
- JP Morgan: 61,00 EUR, +40,07%
- UBS: 62,00 EUR, +42,37%
- Deutsche Bank: 60,00 EUR
- Barclays: 70,00 EUR, +60,73%
So hatte zuletzt die US-Bank JPMorgan vor dem Wochenende die Einstufung für Bayer vor Quartalszahlen auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 61 Euro belassen. Seine Umsatzprognose liege 2 Prozent über der Konsensschätzung, schrieb Richard Vosser in seiner am Freitag vorliegenden Studie. Das operative Ergebnis (Ebitda) des Pharma- und Agrarchemiekonzerns erwarte er hingegen 6 Prozent unter der durchschnittlichen Markterwartung. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern dürfte indes den Jahresausblick bestätigen, „was bei Anlegern zu Zuversicht führen dürfte“. Auf die Glyphosat-Frage ging Vosser in seiner Studie gar nicht erst ein.
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