Bayer trennt sich von einem weiteren Baustein seines Pharma-Portfolios. Der Leverkusener Konzern verkauft das Krebsmedikament Stivarga an den Aachener Pharmakonzern Grünenthal – für bis zu 375 Millionen Euro. Die Aktie reagierte am Montag mit Kursgewinnen von rund zwei Prozent auf über 49 Euro.
Ein Medikament mit ablaufender Uhr
Stivarga, ein oraler Multikinase-Hemmer, kommt bei fortgeschrittenem Darmkrebs, Leberkrebs und gastrointestinalen Stromatumoren zum Einsatz und ist in mehr als 90 Ländern zugelassen. Der Verkauf kommt für Bayer zu einem strategisch passenden Zeitpunkt: Der Patentschutz läuft 2029 in der EU und 2030 in den USA aus.
Das Geschäft schrumpft bereits spürbar – 2025 setzte Bayer mit dem Präparat noch 338 Millionen Euro um, nach 463 Millionen Euro im Vorjahr. Vor allem die volumenbasierte Beschaffung in China drückte auf die Erlöse.
Für Grünenthal ist der Deal Teil einer länger verfolgten Strategie: Das Unternehmen kauft gezielt etablierte Medikamente mit stabiler Nachfrage und schöpft deren verbleibende wirtschaftliche Lebensdauer aus. Seit 2017 hat der Konzern eigenen Angaben zufolge rund 2,6 Milliarden Euro in solche Übernahmen investiert.
Stivarga soll bereits 2027 mit bis zu rund 100 Millionen Euro zum EBITDA beitragen. Der Abschluss der Transaktion wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet und steht noch unter den üblichen regulatorischen Vorbehalten.
Teil einer größeren Bilanzstrategie
Der Stivarga-Verkauf reiht sich in Bayers laufende Bemühungen ein, die Bilanz zu entlasten. Im Juli hatte der Konzern bereits mit dem Finanzinvestor Apollo eine milliardenschwere Eigenkapitalvereinbarung für sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Verhütungsmitteln geschlossen, bei der Bayer die operative Kontrolle behält.
In Summe soll das die Nettoverschuldung 2026 auf 29 bis 30 Milliarden Euro drücken – niedriger als die zuvor in Aussicht gestellten 32 bis 33 Milliarden Euro.
Der Kaufpreis für Stivarga ist im Verhältnis zum Gesamtkonzern überschaubar. In der Summe der Transaktionen zeigt sich aber ein klares Muster: Bayer monetarisiert ältere Pharma-Produkte noch vor dem Patentablauf und verschiebt den Fokus zunehmend auf Wachstumstreiber wie Nubeqa und Kerendia.
Der nächste Test für die Neubewertung der Aktie dürfte weniger von solchen Portfolio-Trades abhängen als vom Ausgang der laufenden Glyphosat-Verfahren in den USA.
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