Zwei Meldungen an einem Tag, und beide erzählen im Grunde dieselbe Geschichte: Bayer steckt in einer Phase, in der sich entscheidet, ob das Unternehmen die vergangenen Jahre des Absturzes hinter sich lassen kann. Die Aktie hat in den letzten 30 Tagen gut acht Prozent verloren, vom 52-Wochen-Hoch bei knapp 50 Euro ist sie weit entfernt. Und dennoch baut Goldman Sachs seinen Anteil aus.
Goldman kauft, während andere zögern
Am 5. Juni hat Goldman Sachs die 5-Prozent-Schwelle überquert. Der Gesamtanteil der Amerikaner liegt nun bei 5,40 Prozent, nach zuletzt 4,77 Prozent. Der Anteil der direkt gehaltenen Stimmrechte ist dabei sogar gesunken, von 0,32 auf 0,22 Prozent. Was gewachsen ist, sind die Instrumente: von 4,45 auf 5,17 Prozent, zusammengesetzt aus Call-Optionen, Swaps, Futures und einem Haufen weiterer Derivate. Goldman wettet also, nicht im stillen Sinne des Wortes, sondern mit einem komplexen Instrumentarium auf die künftige Kursentwicklung von Bayer.
Was das konkret bedeutet, ob das ein bullishes Signal ist oder schlicht Handelsaktivität im Eigenbestand, lässt sich aus der Pflichtmitteilung allein nicht ablesen. Goldman sagt dazu nichts. Aber die Richtung der Positionsveränderung ist nun mal nach oben.
Asundexian: zweite Chance für einen Flop
Gleichzeitig kommt aus Brüssel die Nachricht, dass die Europäische Arzneimittelagentur den Zulassungsantrag für Asundexian als vollständig anerkannt und das zentrale Bewertungsverfahren eingeleitet hat. Das klingt bürokratisch, ist aber für Bayer ein echter Fortschritt.
Denn Asundexian hat eine unrühmliche Vorgeschichte. 2023 flog das Mittel aus der Indikation Vorhofflimmern heraus, weil es dort gegen die Konkurrenz nicht bestehen konnte. Seitdem hat Bayer das Präparat in der Sekundärprävention ischämischer Schlaganfälle neu positioniert, und dort sieht die Datenlage offenbar gut genug aus, um in drei der wichtigsten Märkte der Welt gleichzeitig Zulassungsanträge zu stellen. Die USA und China haben bereits beschleunigte Verfahren eingeräumt. Schlaganfälle sind die zweithäufigste Todesursache in Europa, der Markt ist riesig.
Bayer AG Aktie Chart
Ob das reicht?
Bayer braucht einen Erfolg. Die Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten, der Pharma-Rohrkrepierer Nubeqa, das schwierige Agrargeschäft, das alles hat die Aktie in den vergangenen Jahren auf Tiefststände gedrückt, von denen sie sich nur mühsam erholt. Asundexian wäre kein Allheilmittel, aber ein Zeichen, dass die Forschungspipeline noch funktioniert. Goldman scheint das zumindest nicht auszuschließen. 5,40 Prozent sagen mehr als tausend Analystenkommentare.
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