Zwei regulatorische Erfolge innerhalb weniger Tage — und Bayer nutzt sie, um das Bild eines Konzerns zu zeichnen, der trotz milliardenschwerer Rechtslasten operativ vorankommt. Die Pharma-Pipeline liefert gerade dann, wenn es am nötigsten ist.
FDA lässt Ambelvist zu
Am 15. Juni genehmigte die FDA das MRT-Kontrastmittel Ambelvist (Gadoquatrane). Es wird damit zum Kontrastmittel mit der niedrigsten Dosierung unter den makrozyklischen Gadolinium-Präparaten auf dem US-Markt.
Der Unterschied ist medizinisch relevant. Ambelvist enthält 60 Prozent weniger Gadolinium als herkömmliche makrozyklische Kontrastmittel — und 20 Prozent weniger als das nächstdosierte Konkurrenzprodukt Gadopiclenol. Die Zulassung stützt sich auf zwei randomisierte Phase-III-Studien, die ZNS-Pathologien sowie Erkrankungen außerhalb des Nervensystems untersuchten.
EMA prüft Schlaganfall-Kandidaten Asundexian
Bereits am 10. Juni hatte die EMA den Zulassungsantrag für Asundexian positiv validiert und die Prüfung eingeleitet. Der orale Faktor-XIa-Inhibitor soll ischämische Schlaganfälle bei Erwachsenen nach einem nicht-kardioembolischen Schlaganfall oder einer Hochrisiko-TIA verhindern.
Es ist der erste Antrag dieser Wirkstoffklasse in Europa überhaupt. Die Basis bildet die Phase-III-Studie OCEANIC-STROKE. FDA und Chinas Zulassungsbehörde haben dem Kandidaten bereits Priority Review gewährt — Bayer verfolgt damit simultane Zulassungen in drei Märkten.
Xarelto-Lücke muss geschlossen werden
Asundexian ist für Bayer kein gewöhnlicher Pipeline-Kandidat. Der Konzern kämpft mit den Folgen des Xarelto-Patentablaufs: Die Erlöse aus dem Gerinnungshemmer brachen 2025 um ein Drittel auf 2,6 Milliarden US-Dollar ein. Ein Nachfolger in der Antikoagulation ist strategisch zwingend.
Das Marktpotenzial ist groß. Schlaganfall ist die zweithäufigste Todesursache in Europa, rund zehn Millionen Menschen leben dort mit den Folgen. Nach einem frühen Rückschlag bei Vorhofflimmerpatienten 2023 hat Bayer Asundexian neu positioniert — mit Fokus auf nicht-kardioembolische Schlaganfälle.
Rechtslasten bleiben erdrückend
Die guten Nachrichten aus der Pharmasparte kontrastieren mit einem schwierigen Finanzrahmen. Im ersten Quartal 2026 flossen durch Vergleichszahlungen — überwiegend PCB- und Glyphosat-Klagen — rund 2 Milliarden Euro ab. Die Nettoverschuldung lag Ende März bei 32,5 Milliarden Euro.
In der kommenden Woche rückt das nächste Rechtsrisiko ins Blickfeld. Der US Supreme Court soll bis Ende Juni sein Urteil im Glyphosat-Fall „Durnell“ verkünden. Je nach Ausgang könnte das die Stimmung rund um die Aktie deutlich stärker bewegen als die Pipeline-Meldungen der Vorwoche.
Die Bayer-Aktie schloss am Freitag mit einem Plus von 2,13 Prozent bei 37,81 Euro — exakt auf dem 50-Tage-Durchschnitt. Auf Jahressicht liegt sie mit rund 41 Prozent im Plus, notiert auf Jahresbasis jedoch nahezu unverändert.
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