Bayer-Aktie: Sie waren sich einig – fast alle!

Die Aktie von Bayer tut sich nach ihrem Kurssprung von Anfang Juli inzwischen extrem schwer. Zum Unverständnis der meisten Analysten.

Auf einen Blick:
  • Die Bayer-Aktie begann die Woche deutlich im Plus, hat aber wieder abgegeben
  • Nach ihrem massiven Kursanstieg bis Anfang Juli ist die gute Stimmung dahin
  • Viele Analysten hatten nach einem positiven Glyphosat-Urteil ihre Prognose angehoben
  • Doch es gab auch Skeptiker, noch ist die Sache für den Konzern nicht ausgestanden

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Aktie von Bayer war nach ihrem wochenlangem Abwärtsmarsch ein guter Start in die neue Börsenwoche gelungen. Auf der Handelsplattform Tradegate schoben sich die Papiere der Leverkusener von zuvor 46,01 auf bis zu 47,70 Euro – ein Aufschlag von 3,6 Prozent zum Freitagsschlusskurs. Doch die gute Stimmung hielt nicht lange, mittlerweile ist die Bayer-Aktie auf 47,22 Euro zurückgefallen. Dabei waren die Analysten nach einer Entscheidung des US-Supreme Court zuletzt doch so optimistisch. Die meisten jedenfalls.

Bayer mit wichtigem Erfolg im Rechtsstreit

Denn der Bayer-Konzern hatte im Glyphosat-Komplex Anfang Juli einen wichtigen juristischen Erfolg erzielt. Der Oberste Gerichtshof der USA entschied im Fall „Durnell“, dass bundesstaatliche Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise ausgeschlossen sein können, wenn die Kennzeichnung den Vorgaben der US-Umweltbehörde EPA entspricht. Damit verbesserte sich die rechtliche Ausgangslage der Leverkusener deutlich.

Bayer erwartet nach eigenen Angaben, dass das Urteil die Zahl künftiger Klagen erheblich reduziert. Zugleich arbeitet der Konzern laut Medienberichten an einem milliardenschweren Sammelvergleich, der laufende und mögliche zukünftige Verfahren beenden soll. Nach Unternehmensangaben umfasst dieser Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über 21 Jahre und soll mehr finanzielle Planungssicherheit schaffen. Die aktuelle Situation lässt sich so zusammenfassen:

Noch ist die Sache bezüglich Glyphosat nicht durch

  • Das Supreme-Court-Urteil stärkt Bayers Rechtsposition.
  • Ein Sammelvergleich soll weitere Verfahren begrenzen.
  • Die endgültige Entscheidung des Vergleichs steht noch aus

Denn trotz der positiven Entwicklung ist der Rechtsstreit nicht beendet. Bereits anhängige Verfahren können teilweise weitergeführt werden, und die endgültige Entscheidung über den Sammelvergleich steht ebenfalls noch aus. Für Bayer bedeutete das Urteil dennoch einen wichtigen Schritt zur Eindämmung der Glyphosat-Risiken und eröffnet dem Konzern bessere Perspektiven, sich wieder stärker auf das operative Pharma- und Agrargeschäft zu konzentrieren.

Die Kursziele für Bayer-Aktie angehoben

An der Börse wurde das zunächst honoriert: Von rund 35 Euro noch Anfang Juni hatte sich die Bayer-Aktie zu Monatsbeginn bis auf 53,86 Euro vorgearbeitet, ein Monatsplus von sagenhaften 50 Prozent. Die Analysten befeuerten die Kursentwicklung, indem sie ihre Kursziele nach oben anpassten. Eine Auswahl aus dem Juni:

  • Barclays: 60,00 Euro, +27,33%
  • Goldman Sachs: 62,50 Euro, +32,64%
  • Deutsche Bank: 60,00 Euro, +27,33%

So hatte etwa die US-Investmentbank Goldman Sachs das Kursziel für Bayer von 55 auf 62,50 Euro angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen. Analyst James Quigley verschob reduzierte den Abschlag auf das Pharmageschäft und senkte seine Schätzungen für die Kapitalkosten aufgrund gesunkener Risiken aus den Rechtsstreitigkeiten der Leverkusener. Hinsichtlich der Anfang August erwarteten Quartalsergebnisse erwartet der Experte „keine größeren Überraschungen“, wie er schrieb. Nach dem Glyphosat-Thema dürfte sich der Fokus der Anleger zunehmend auf eine mögliche Konzernaufspaltung richten – und eine Reduzierung des Bewertungsabschlags.

Andere waren vorsichtiger bei Bayer

Doch es gab auch Gegenstimmen: So hatte JP Morgan die Einstufung für Bayer vor Quartalszahlen auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 50 Euro belassen. Seine Prognosen für Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) stünden im Einklang mit dem Marktkonsens, schrieb Analyst Richard Vosser am 17. Juli. Zudem dürfte der Pharma- und Agrarchemiekonzern seine Jahresziele bestätigen, glaubt er.

Noch vorsichtiger war Michael Leuchten vom Analysehaus Jefferies: Er hatte die Aktie mit einem Kursziel von 46 Euro auf „Hold“ belassen – in etwa dem aktuellen Kursstand. Nach dem positiven Urteil des Obersten Gerichts der USA habe es viele Frage zu einer Aufspaltung des Konzerns gegeben, schrieb er. Er sehe zwar „keinen Sinn darin, ein Pharma- und ein Agrarchemiegeschäft – wie bei Bayer – in einem Konglomerat zu vereinen“. Doch die hohe Verschuldung und die deutlichen Mittelabflüsse schränkten die Optionen von Bayer deutlich ein.

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