Bayer-Aktie: Die Experten streiten sich!

Seit ihrem Hoch Anfang Juli hat die Aktie von Bayer wieder deutlich abgegeben, trotz aktueller Kurszielerhöhung durch die britische Barclays. Andere sind skeptisch.

Auf einen Blick:
  • Die britische Barclays-Bank hatte ihre Prognose für Bayer am Dienstag erhöht
  • Dennoch haben die Papiere der Leverkusener in der Folge an Wert eingebüßt
  • Kurz davor vergab das Analysehaus Jefferies ein weitaus niedrigeres Kursziel
  • Was der jüngste Erfolg im Glyphosat-Rechtstreit bedeutet, ist offenbar unklar

Liebe Leserin, lieber Leser,

was passiert, wenn eine renommierte Bank eine Aktie zum Kauf empfiehlt und die mittelfristige Prognose anhebt? Der Kurs des Titels dürfte steigen, könnte man annehmen. Doch bei der Aktie von Bayer passierte zuletzt das genaue Gegenteil: Die Papiere des Chemie- und Pharmakonzerns gaben nach einer Empfehlung deutlich ab, rutschten von 50,36 Euro noch am Montag im Xetra-Handel auf zwischenzeitlich 47,53 Euro. Gut möglich, dass die Anleger derzeit verunsichert sind, da sich die vermeintlichen Experten alles andere als einig sind.

Barclays erhöht Bayer-Kursziel auf 60 Euro

Tatsache ist, dass die britische Investmentbank Barclays das Kursziel für Bayer am Dienstag von 50 auf 60 Euro angehoben und die Einstufung auf „Overweight“ belassen hatte. Analyst Charles Pitman-King schaute sich die Bewertung der Leverkusener angesichts gesunkener Risiken aus den Glyphosat-Prozessen noch einmal an, wie es in Medienberichten hieß. Nach dem positiven Entscheid des Supreme Court der USA fehle nun noch grünes Licht für den ausgehandelten Vergleich. Pitman-King wies zudem auf bessere Geschäftsaussichten für das Agrarchemiegeschäft hin.

  • Doch die positive Einschätzung des britischen Analysten wird nicht von allen geteilt
  • Erst am Sonntag hatte ein US-Kollege eine weitaus skeptischere Sicht auf die Lage

Jefferies mit weit niedrigerer Prognose

Es war Michael Leuchten vom Analysehaus Jefferies, der die Bayer-Aktie mit einem Kursziel von 46 Euro auf „Hold“ belassen hatte. Ihm zufolge sind die Papiere des Chemieriesen damit aktuell sogar überbewertet. Nach dem positiven Urteil des Obersten Gerichts der USA zu den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten habe es viele Frage zu einer Aufspaltung des Konzerns gegeben, schrieb der Analyst am Sonntag. Er sehe zwar „keinen Sinn darin, ein Pharma- und ein Agrarchemiegeschäft – wie bei Bayer – in einem Konglomerat zu vereinen“. Doch die hohe Verschuldung und die deutlichen Mittelabflüsse schränkten die Optionen des Unternehmens ein, so Leuchten.

Zwischen den Extremen positionierte sich derweil die schweizer Großbank UBS: Nach dem positiven Urteil des Supreme Court der USA liege der Fokus nun auf den nächsten Schritten im Gesamtkomplex Glyphosat, schrieb Matthew Weston bereits am Freitag. Spannend werde jetzt die Anhörung für eine endgültige Genehmigung eines Sammelvergleichs am 19. August. Trotz dieses Unsicherheitsfaktors hat Weston die Einstufung für Bayer mit einem Kursziel von 52 Euro auf „Buy“ belassen.

Bayer mit Erfolg im Glyphosat-Rechtsstreit

Bayer hatte im milliardenschweren Glyphosat-Streit in den USA vor drei Wochen einen wichtigen Erfolg vor dem Obersten Gericht erzielt: Der Konzern kann demnach nicht wegen fehlender Krebs-Warnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden. „Das Oberste Gericht berief sich darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen vorgeschrieben seien – damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben“, hieß es dazu auf tagesschau.de. Vielen Klagen im Zusammenhang mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup „dürfte damit die Grundlage entzogen werden“.

Wenig später gab Bayer bekannt, dass der Konzern sein US-Geschäft mit dem umstrittenen ​Unkrautvernichter in einer eigenständigen Tochtergesellschaft bündeln wird. Die neue Gesellschaft werde den Namen Ruveon ‌tragen.

  • Ziel sei es, „das Geschäft optimal auf die spezifischen Anforderungen des US-Markts auszurichten“, so die Mitteilung
  • Ruveon werde alle Aspekte des US-Glyphosatgeschäfts verantworten, bleibe jedoch Teil des Bayer-Konzerns

Bayer will durch Ausgliederung agiler sein

Die Ausgliederung sei Teil eines ⁠im ⁠vergangenen Jahr vorgestellten Fünfjahresprogramms für die Agrarsparte Crop Science – „kommt aber in auffälliger zeitlicher Nähe zu der Entscheidung des Supreme Court“, schrieb das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Als eigenständige Einheit könne Ruveon agiler handeln und damit besser auf die ‌Wettbewerbsdynamik in dem von Nachahmerprodukten geprägten US-Markt reagieren, ​hieß es. Im Extremfall aber könnte Bayer die Sparte auch einfach fallen lassen.

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